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Was im sichern Haven weilt, besteige,

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Eure Königin voran, die Schiffe!

Sprach’s und vom Pallaste ging ein lautes
Rufen durch die Palmenstadt, die Schläfer
Fuhren aus dem Schlummer auf, von Fackeln
Leuchtete rings der Strand, das Volksgewimmel

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Füllte tosend mit Geschrei den Steindamm.

Ohne Zaudern stieg die schöne Fürstin
Selbst hinunter, noch im Schmucke schimmernd,
Den sie angelegt, dem Fest zu Liebe:
Ein Juwelendiadem in ihren

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Ueppigen schwarzen Locken, trat sie mutig

Als Beschleunigerin der trägen Arbeit
Auf’s Verdeck des segelfertigen Schiffes.

Endlich zieht an Bord das ungeheure
Ankertau das junge Volk mit frohem

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Wechselsang. Der Königin zum Lobe

Scholl der Hymnus und zum Trotz den Feinden.

Weiten Vorsprungs war das Magierfahrzeug
Auf der glatten Fläche hingesegelt;
Doch Selmira’s mastenreiche Schiffe

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Glitten schneller durch die Flut, und Behram,

Eh’ in’s Meer versank die nächste Sonne,
Sah verfolgt sich und gemach umzingelt.
Keine Rettung, rief er aus, erspäh’ ich;

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Aber doch ein Mittel bleibt. Den Jüngling

Bindet los, und vom Verdeck hinunter
Schleudert ihn in’s dunkle Bad! Der Salzflut
Sei geweiht dieß Opfer; mög’ ein andres
Sühnen einst die Majestät des Feuers!

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So befahl er, seine Schaar gehorchte:

Assurs Bande lösend strebt das Schiffsvolk,

Empfohlene Zitierweise:
August Graf von Platen: Die Abbassiden. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1847, Seite 69. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Abassiden_(Platen).pdf/69&oldid=- (Version vom 31.7.2018)