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 Erster Gesang.


Tausend Zelten waren aufgeschlagen
Durch’s Gefilde vor den Thoren Bagdads,
Um das Fest des neuen Jahrs zu feiern:
Auf dem Throne saß der große Harun

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Als Kalif mit allen Würdezeichen,

Rings im Cirkel seine Kronbeamten;
Doch zunächst die drei geliebten Söhne
Prinz Amin und neben Assur Assad.
Durch die Gärten lag zerstreut die Menge,

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Trank und Speise wurde rings vertheilt ihr.

Unter Lauben, aus Jasmin gebildet,
Ruhten Frau’n und Männer; doch die Knaben
Schlangen Tänze mit den jüngsten Mädchen.
Vor des Herrschers Pavillon indessen

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Trat ein Mohr mit einem Pferd am Zügel:

Nicht ein Roß war’s aus arabischem Blute,
Nicht ein Hengst aus Andalusien war es!
Nein − von Künstlerhand aus Holz gebildet,
Erz die Hufe nur und Gold die Mähne.

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Zum Kalifen sprach der Mohr: Beherrscher

Aller Gläubigen, aller Völker Sultan!
Manche Gabe bringt an diesem Tage
Zum Geschenk dir deiner Sklaven mancher;
Doch die wundervollste biet’ ich selbst dir:

Empfohlene Zitierweise:
August Graf von Platen: Die Abbassiden. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1847, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Abassiden_(Platen).pdf/7&oldid=- (Version vom 31.7.2018)