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Nahrung spendet ein Johannisbrodbaum
Kärglich ihm, der aus dem Felsen aufsproß;
Hülfe sieht er nirgend. Traurig setzt er

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Unter’n Schatten sich, und fährt verzweifelnd

Mit der Rechten nach der Stirn; da blitzet
Ihm in’s Aug’ der schöne Ring Melinda’s.
Konnt’ ich dich, so ruft er aus, vergessen,
Mächtiger Talisman der holden Göttin?

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Ewige Kurzsicht ist das Loos des Menschen!

Während hier ich nach Juwelen suchte,
Trug den schönsten ich am eignen Finger,
Der allein mich retten kann! Zu sparen
Bis zum Augenblick der höchsten Not ihn,

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So befahl die Geberin des Ringes,

Und ich that’s; jetzt aber schlägt die Stunde
Seiner Kraft und Wirksamkeit! − Er sprach es,
Während mächtig Diwisadens Bildniß
Ihm erwacht und seines Bruders Assur.

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Um den Zeigefinger dreht den Ring er:

Möcht’ ich rasch und augenblicks, so ruft er,
Stehn am Thor der Magierstadt! Er hatte
Kaum vollendet, als er stand am Thore.




  Achter Gesang.


Welch ein Anblick ward dem guten Assad,
Als er rund umher den Blick versandte!
Seinen Bruder sieht zum Thor er einziehn,
Doch gefesselt, einem Sklaven ähnlich;

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Ihn bewacht ein bärtiger Söldnerhaufen,

Einem Führer folgend, roh von Ansehn.

Empfohlene Zitierweise:
August Graf von Platen: Die Abbassiden. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1847, Seite 78. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Abassiden_(Platen).pdf/78&oldid=- (Version vom 31.7.2018)