Seite:Die Abassiden (Platen).pdf/93

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Doch es folgt in gleicher Hast der Jüngling
Angstbekümmert auf dem Flügelrappen,
Denn der schönen Heliodora goldne

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Kette war gewunden um den Turban.

Nach der Magierstadt enteilt der Vogel,
Auf dem Dach von Schehriars Pallaste
Läßt er fallen seinen Raub, wie eben
Schon den Spieß erhub der greise König,

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Nach der Brust der Abbassiden zielend.

Mit Entsetzen sieht Amin gebunden
Seine Brüder stehn, er sieht den Wütrich
Im Begriff des Mords. Ein Stein, geworfen
Durch die Schleuder eines Knaben, donnert

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Nicht so schnell zu Boden, als herunter

Fährt Amin auf seinem Flügelrosse.
Drauf, mit Einem Hieb zerhaut des Königs
Schädel zornentbrannt der mutige Jüngling.

Schon entfliehen Schehriars Trabanten,

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Eingeschüchtert durch ein solches Wunder,

Lauter Beifall schon ertönt von unten
Aus dem Heer der Königin, die Brüder
Halten schon frohlockend sich umschlungen.
Doch sie steigen schnell herab, in Ehrfurcht

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Ihre Kniee vor Selmira beugend,

Welche friedlich nun die stolzen Fahnen
Senken läßt. − Im feierlichen Zuge
Nach dem Schloß, wo Diwisade haus’te,
Ziehn des Magiervolkes Abgesandte,

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Ihr des Herrscherthums Symbol, die Krone,

Darzubieten. Prinz Amin geleitet
Selbst den Zug; vor ihnen schwang sich Assad
Auf das Flügelroß, der theuern Gattin
Diese Botschaft anzukündigen. Assur

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Und Selmira weilen unterdessen
Empfohlene Zitierweise:
August Graf von Platen: Die Abbassiden. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1847, Seite 93. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Abassiden_(Platen).pdf/93&oldid=- (Version vom 31.7.2018)