Seite:Die Afterärztin Reuterin, aus Gerichtsacten gezogen.pdf/5

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Fleischmann abgestiegen, um nach dem bösen Fuß seiner Frau zu sehen, auch habe bey ihr ein Bettelweib wegen ihres kranken Kindes Hülfe gesucht. Nachmittags wurde sie durch einen Boten nach Gottmannsdorf abgehohlt. Jetzt gab sie sich für die Tochter eines Cavaliers P** in Sachsen aus. „Ihr Gehör habe sie durch einen Schlag im Kindbett verloren. Betrogen habe sie nicht – man solle sie niederschlagen wie einen Hund, wenn sie wirklich höre.“

 Der Physikus Holzschuher zu Neustadt an der Aisch war begierig dieses Weib können zu lernen, kam zu Amt und ließ sich von derselben auf einem Bogen Papier theils mündlich theils schriftlich gethane Fragen beantworten. Hier veroffenbarte sich, daß diese Afterärztin, welche sich taub und stumm stellte, wirklich hören müsse, weil sie dasjenige, was ihr von den mündlichen Fragen an, ständig gewesen war, sogleich schriftlich beantwortete, auch auf schriftliche Fragen sofort ihre Antworten niederschrieb.

 Eine bey einem dortigen Burger dienende Magd, von Altdorf bey Nürnberg gebürtig, erkannte sie für die sogenannte Reuters Sußel von Altdorf, der sie vollkommen gleich sähe, nur das Stummseyn derselben