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zu breit wurden, durch Streber abgestützt worden und kletterten Hügel hinauf und hinab. Schließlich fand Richard auch Weichen; jedoch war er nicht imstande, zu erkennen, wie diese gestellt wurden.

Als er sich wieder einem Hügel näherte, sah er vor sich einen größeren Lichtschein auftauchen. Es machte ungefähr den Eindruck, wie wenn man sich in der Nacht noch weit ab von einer belebten Stadt befindet. Der Horizont war gerötet oder hier vielmehr weißgelb, und als Richard den Hügel erstiegen hatte, sank er vor Staunen in die Kniee. Er vermochte seinen Augen nicht zu trauen.

Vor ihm breitete sich nämlich eine ganze Stadt aus, die von elektrischem Lichte erhellt wurde.

Er war noch zu weit davon entfernt, um etwas deutlich unterscheiden zu können, aber die Häuser erkannte er schon, kleine und große Paläste – selbst Kirchtürme – ja, es war eine Stadt, eine wirkliche Stadt auf dem Meeresgrunde!

Endlich raffte Richard sich auf. Er mußte hin, die Stadt besichtigen und deren Bewohner kennen lernen!

Nur eine Frage warf er auf, weil sie mit seiner Sicherheit zu thun hatte.

Was für Meeresgeschöpfe mochten es sein, die hier eine Stadt errichtet und eine Eisenbahn angelegt hatten? Menschen? Auf keinen Fall. Er mußte allerdings gefaßt sein, auf intelligente Wesen zu stoßen, die durch ihren Körperbau zum Bewohnen einer solchen Meerestiefe befähigt waren. Diese Geschöpfe einer unterseeischen Region waren sicherlich ganz und gar anders gebaut, als die an der Oberfläche der Erde wohnenden, höchstentwickelten Wesen, die man Menschen nennt, und deren Kenntnis sie sich bisher entzogen hatten. Sie wußten vielleicht auch nichts von den Menschen, obschon dies immerhin möglich sein konnte, denn sie mußten doch manchmal untergegangene Schiffe mit Leichen finden. Aber einem lebenden Menschen waren diese unterseeischen Geschöpfe sicher noch nicht begegnet, und es war die Frage, welche Aufnahme ein solcher bei ihnen finden würde!

Empfohlene Zitierweise:
Robert Kraft: Die Ansiedelung auf dem Meeresgrunde. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Ansiedelung_auf_dem_Meeresgrunde.pdf/16&oldid=- (Version vom 31.7.2018)