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„Wer bist Du, Knabe, daß Du Dich in einem Taucheranzuge, der ganz dem unseren gleicht und dennoch nicht von uns gefertigt ist, was auch von allen anderen Zubehörteilen gilt, die man bei Deiner Ausrüstung fand, auf dem Meeresgrunde bewegst?“

Richard, der vor dieser würdevollen Erscheinung jede Befangenheit schwinden fühlte, erzählte frisch darauf los wie sein Name war, woher er kam, und daß das Taucherkostüm und alle Instrumente seine spielend leicht gemachte Erfindung seien, wie er sie geheim halte, um mit ihnen zum Vergnügen und aus Wißbegierde Forschungen zu unternehmen.

Wir haben Richard schon mehrmals als genialen Mathematiker und Physiker kennen gelernt, und auch bei dieser Erzählung offenbarte er genug von seinen Fähigkeiten, daß der Greis sofort wissen mußte, wessen Geistes Kind er vor sich hatte.

Dabei hatte er immer wieder erstaunt den Kopf geschüttelt.

„Es ist wunderbar,“ nahm der Greis dann das Wort. „Mein Staunen trifft teils die ungewöhnlichen Kenntnisse Deines Alters, mehr aber noch die Merkwürdigkeit, daß Du ganz die gleichen Erfindungen gemacht hast, wie wir im Laufe von einem halben Jahrhundert und sie auch in ganz gleicher Weise ausführtest. Und dennoch ist mein Staunen ungerechtfertigt, denn das alles ist nur ein Beweis für die Theorie, die ich verfechte. Der der Menschheit wohlgesinnte Erdgeist, Genius genannt, streift mit einem Hauche nicht nur einen einzelnen Menschen, nein, viele können ihn fühlen, und wer ihn verspürt, der schafft das aus göttlicher Eingebung, um was ihn dann die anderen Menschen als Genie bewundern. So sind die meisten großen Erfindungen gleichzeitig an mehreren Orten der Erde gemacht worden, ohne daß die Betreffenden miteinander verkehrt hätten; gleichzeitig und plötzlich wurden die Erfinder von dem großen Gedanken erfaßt. – Doch lassen wir das jetzt. Setze Dich, mein Sohn, ich will Dir erzählen, wo Du bist, und wer ich bin.“

Richard setzte sich, und ihm gegenüber nahm der Greis Platz.

Empfohlene Zitierweise:
Robert Kraft: Die Ansiedelung auf dem Meeresgrunde. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 25. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Ansiedelung_auf_dem_Meeresgrunde.pdf/27&oldid=- (Version vom 31.7.2018)