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als Schwimmblase diente, mit Luft füllte, dann ließ er sich wieder nach oben steigen und abermals sinken, beobachtete, wie das blaue Licht immer mehr abnahm, und las die Tiefen auf seinem Instrumente.

20 Meter – 21 – 22 – 25 Meter – – – Da glaubte Richard, etwas unter sich auftauchen zu sehen. – Nun sank er noch 4 Meter tiefer, und – fühlte Boden unter den Füßen! Doch nein, er stand nur auf einem riesigen, ungefähr 3 Meter hohen Pilze, von dem er erst herabspringen, das heißt, langsam herabschweben mußte, um nun, umgeben von der unterseeischen Flora und Fauna, in einer Tiefe von 32 Metern auf dem wirklichen, mit Muschelkalk bedeckten Meeresboden zu stehen!

Das Wasser war äußerst klar, die Sonne stand gerade im Zenith, und so konnte er seine Umgebung auf einen Umkreis von etwa 10 Metern in einem bläulichen Lichte überschauen! Wäre es aber auch ganz dunkel gewesen, er besaß ein Mittel, um, ohne seine Lampe zu Hilfe zu nehmen, immer einen hellen Lichtschein rund um sich zu verbreiten.

Hier war das Reich der Koralle, und überall hatte sie seltsame Gebilde, Häuser, Grotten und Bäume mit den feinsten Aestchen geschaffen; wundersame Seegewächse aber wucherten überall üppig in Knollen, Blumen, breiten Blättern und langen Halmen, die kerzengerade in die Höhe standen und eine bunte Farbenpracht oder ein eintöniges Dunkelgrün zeigten, dazwischen spielten Fische und krochen Schnecken, während festgewachsene Muscheln auf- und zuklappten und kleine Polypen von glühenden Farben, mit ihren vielen Armen nach Beute greifend, spielten.

Auch hier in der ewigen Stille, die kein Sturm aufrühren konnte, herrschte der Kampf ums Dasein, fraß eins das andere auf.

Der riesige Pilz war ebenfalls eine Korallenformation, eines jener Gebilde, welche die Schiffer in der Nähe der Küste so fürchten. Kommt nämlich ein Anker unter solch einen

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Robert Kraft: Die Ansiedelung auf dem Meeresgrunde. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Ansiedelung_auf_dem_Meeresgrunde.pdf/7&oldid=- (Version vom 31.7.2018)