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Liebenswürdigkeit, als auch sein großes Musikverständnis, besonders aber seine Schwermut und sein Weltschmerz … Noch nie habe ich einen Mann mit so melancholischen Augen gesehen – noch nie …“

„Brav, daß Sie Vertrauen zu mir haben, Fräulein Siglinde …“

Er drückte ihre Hand …

„Was wir hier besprochen, bleibt unter uns …“ – Er war mit einem Male sehr ernst geworden. „Ich werde Ihnen morgen schon etwas mehr über diese drei Leute dort drüben sagen können … Wenn Sie mir nun noch den Gefallen tun und heute spät abends wieder aufpassen wollten, ob die Antenne wieder in Tätigkeit tritt, so wäre ich Ihnen sehr dankbar …“

Sigi schaute ihn ängstlich an. „Das will ich gern tun. Nur – nur – müssen wir nicht der Polizei melden, daß die – die – tote Frau …“

Er schüttelte den Kopf. „Das besorge ich schon, Fräulein Sieglinde. – Gute Nacht nun! Ich gehe noch aus.“

So schieden sie … –

Und Sigi von Lauken arbeitete jetzt doppelt eifrig in der Küche. Eine schwere Last war von ihr genommen. Sie hatte zu dem alten Herrn Haberlein ein so unbegrenztes Vertrauen … Und kannte ihn doch kaum. Erst so kurze Zeit wohnte er hier bei ihnen – acht Tage.

Wie das nur gekommen sein mochte, daß sie Herrn Haberlein so ohne Scheu ihr Herz ausgeschüttet hatte?!

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Walther Kabel: Die Antenne im fünften Stock. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1926, Seite 26. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Antenne_im_f%C3%BCnften_Stock.pdf/26&oldid=- (Version vom 31.7.2018)