Seite:Die Antenne im fünften Stock.pdf/63

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dringende Besorgung erledigen und würde gegen halb eins wieder daheim sein.

Nachdem sie dann noch das Papierröllchen mit einer spitzen Nadel wieder aus dem Schlüsselloch entfernt hatte, verließ sie das Haus und fuhr mit der Straßenbahn nach Schmargendorf.

In ihrer trüben, angstvollen Stimmung empfand sie diesen warmen klaren Februartag, der so gar nichts Winterliches an sich hatte und bereits den nahenden Frühling ahnen ließ, wie etwas Lästiges, wie etwas, das sie nur doppelt an ihre Seelennot erinnerte.

Und als sie dann in der Blücherstraße vor dem freundlichen alten Hause stand, in dem der berühmte Detektiv in so seltener Harmonie mit seiner Mutter, seinem Freunde und der alten Köchin Mathilde zusammenlebte, – als sie im Vorgarten wirklich schon die Krokusse blühen sah und die Sträucher mit grünen Blattknospen gleichfalls das Lied des Frühlings verkündeten, da befiel sie plötzlich eine große Mutlosigkeit und Verlegenheit …

Was – – wollte sie eigentlich hier bei der fremden Dame?! Nur nach Harald Harst sich erkundigen?!

Sollte sie etwa auch Frau Harst anvertrauen, daß sie sich auf den ersten Blick in einen Mann verliebt hatte, der nun in eine so dunkle tragische Angelegenheit verwickelt war?!

Sie zauderte immer noch …

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Walther Kabel: Die Antenne im fünften Stock. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1926, Seite 63. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Antenne_im_f%C3%BCnften_Stock.pdf/63&oldid=- (Version vom 31.7.2018)