Seite:Die Behandlung der Kolonisten in der Provinz St. Paulo in Brasilien und deren Erhebung gegen ihre Bedrucker.pdf/107

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nicht an die Seite zu setzen? Und Solches ist vorgekommen. Ich selbst habe Manches davon in Brasilien vernommen, und Anderes hat Herr Dr. Heußer berichtet. Gehe ich, wenn ich alles Vorhandene und Vorgefallene ins Auge fasse, zu weit, wenn ich sage, die Kolonisten befinden sich in einer neuen Art von Sklaverei, in einer Sklaverei, welche für die Herren der Kolonisten sogar noch vortheilhafter ist, als die eigentliche Sklaverei, weil sie die Europäer viel wohlfeiler bekommen, als die Afrikaner (ein schöner Afrikaner kostet jetzt bis über Fr. 5000.-), und weil die Arbeit der Europäer auch mehr Nutzen bringt, als diejenige der Schwarzen? Bei den Europäern haben die Herren über dies noch den Vortheil, daß sie dieselben nicht mit großer Gefahr rauben und über das Meer herholen lassen müssen; man schickt sie ihnen in das Land hinein; diese neue Sklaverei können sie sogar unter dem Schutze der Gesetze treiben. Gewiss wird Jeder, der all das Mitgetheilte recht erwägt, meine Frage dahin beantworten, ich sei nicht zu weit gegangen mit meiner Behauptung; die Kolonisten dieses Halbpachtsystems seien bedauernswürdige, betrogene Leute, nichts Anderes, als Sklaven. Ja wohl Sklaven, wie denn auch die Kinder eines gewissen Herrn gesagt haben, „die Kolonisten seien ihre weißen und die Neger ihre schwarzen Sklaven“, oder wie ein anderer Herr seinen Kolonisten offen sagte: „Ich habe Euch von Vergueiro gekauft; Ihr seid mein!“

Aber wie, können denn die Kolonisten mit ihrem Kontrakte in der Hand vor den brasilianischen Behörden keine Hilfe finden? Meines Wissens sind wenige Versuche gemacht worden; die gemachten Versuche sind so ausgefallen, daß die Lust zu weitern nicht aufgekommen ist. Auf einer Kolonie erhoben die Kolonisten bei dem im Kontrakt, Art. 9, bezeichneten Schiedsgerichte Klage über gar zu geringe Bezahlung des Kaffees; ihr Herr wollte ihnen nämlich nur 400 Reis per Alqueiro geben, während auf einer Nachbarkolonie 490 Reis bezahlt wurden. Das zuständige Schiedsgericht erkannte ihnen dann 371 Reis, also 29 Reis weniger zu, als der