Seite:Die Behandlung der Kolonisten in der Provinz St. Paulo in Brasilien und deren Erhebung gegen ihre Bedrucker.pdf/109

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und Briefe von Kolonisten und Andern? Diese Fragen sollen noch kurz beantwortet werden.

Wie sehr das Vergueiro'sche Halbpachtsystem in Wort und Schrift gelobt wurde, ist bekannt. Dieses Lob war nicht nur in Europa, sondern auch in Brasilien vorhanden. Die Schweizer in Rio de Janeiro, welchen es ein großer Ernst war, ihre unglücklichen Landsleute möglichst gut zu versorgen und unter zu bringen, glaubten dieses am sichersten damit zu erreichen, wenn sie dieselben dem Hause Vergueiro übergeben können. Sie fußten dabei auf frühere amtliche Berichte und auf das allgemeine Lob, das über diese Kolonieen herrschte. In Santos hat man uns im Juni 1855 die schönsten Aussichten gegeben und die herrlichsten Hoffnungen gemacht über das uns werdende Glück. Noch auf meiner Rückreise habe ich dort von einem Manne vernommen, daß er, obschon er dort einen guten Platz hat, auf dem Sprunge gewesen sei, seinen Platz zu verlassen und in Ybicaba das Loos eines glücklichen Kaffeepflückers zu theilen. Auch in der nächsten Umgebung der Kolonieen herrschte die gleiche Meinung. Erst nachdem die dortigen Brasilianer in Folge unserer Erhebung erfuhren, wie wir behandelt werden, und was für eine Kaffeebezahlung wir erhalten, stutzten und meinten sie, das Haus Vergueiro sei nicht reich genug, das uns zugefügte Unrecht gut machen zu können. Der besonders in Ybicaba gegebene Kredit hat die meisten Kolonisten, welche in Europa gewöhnlich ohne Kredit waren, geblendet und zu der Ansicht verleitet: In Brasilien ist es besser, als in Europa; die brasilianischen Herren geben einem doch das Nothwendige, auch wenn man kein Geld hat; hier muß man nicht verhungern. Das fürchterliche Anwachsen ihrer Schuld, ihrer Sklavenkette, beachteten sie nicht und verstanden auch nicht, daß die Herren durch ihre Kreditertheilung, auch wenn sie, was aber selten geschah, die ganze Schuld verlieren müssen, nicht zu Schaden kommen, sondern ihren Gewinn schon aus der Arbeit des Kolonisten, aus dem Kaffee, gezogen haben. Mehrere Kolonisten wurden auch durch den ihnen bei ihrer