Seite:Die Behandlung der Kolonisten in der Provinz St. Paulo in Brasilien und deren Erhebung gegen ihre Bedrucker.pdf/110

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Ankunft zu Theil gewordenen freundlichen Empfang geblendet. Noch jetzt wird davon gesprochen, wie den ersten schweizerischen Kolonisten in Ybicaba von den sogenannten alten Deutschen eine Mahlzeit zubereitet und gegeben wurde, und ich selbst habe gesehen, wie man einen Transport mit Musik und Derartigem empfangen und auf die Kolonie geführt hat, ein Aufzug, der mir und einem alten, braven Kolonisten stille Thränen über die Täuschung der vielleicht noch nicht viel Böses ahnenden Leute ausgepreßt und uns an den Ausdruck: „Sie werden wie Schafe auf die Schlachtbank geführt“, erinnert hat. Zur Verblendung der Kolonisten dienten auch die Feste und Bälle, die man den Kolonisten zuweilen gab, und die Reden, die man bei solchen und andern Anlässen hielt. Herr Luiz Vergueiro soll einmal in einer solchen in seinem etwas unrichtigen Deutsch gesagt haben: „Meine Haus ist groß; aber meine Herz ist noch viel größer!“

Durch Solches wurden manche Leute, die eben nicht gar weit sahen, geblendet, daß sie meinten, es sei in Brasilien gut (an die schlechten Häuser, an die groben Nahrungsmittel u. s. w. kann man sich, wenn man das Uebrige nicht merkt, bald gewöhnen), und daß sie nicht wissentlich logen, wenn sie schrieben, es sei gut. In solcher Verblendung und im Mangel weiterer Kenntnisse und Bildung haben denn auch Manche nur sehr einseitig die Verhältnisse geschildert, z. B. all die Sachen genannt, die man zu fassen bekomme, vom Pflanzland und von den schönen Häusern gesprochen, die man erhalte, auch die Kühe, Schweine und Hühner aufgezählt, die man habe, aber nicht bemerkt, wie theuer die Sachen seien, unter welchen Bedingungen und auf welche Weise man Häuser und Pflanzland erhalte, wie diese beschaffen seien, was für Produkte sich erzielen lassen, und was für welche nicht, wie groß der Milch-, Butter-, Käse- und Eiermangel trotz der Kühe und der Hühner seien, u. s. w. Es sind solches Berichte, die in Europa einen sehr guten Eindruck machen, für den aber, welcher die Sachen alle näher kennt, rein Nichts sagen. Zu solcher Verblendung und zu solchem