Seite:Die Behandlung der Kolonisten in der Provinz St. Paulo in Brasilien und deren Erhebung gegen ihre Bedrucker.pdf/114

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dem Turgi geschrieben und damit die Betreffenden in die Hände des Hauses Vergueiro verlockt. Ebenso soll auch ein gewisser ehemaliger schweizerischer Friedensrichter, wie ich dessen von Vielen auf das Bestimmteste versichert wurde, einen sehr guten Bericht über die Kolonie, wo er ist (er befand sich auf der am meisten verpönten Kolonie des Dr. Elias, eines der schlechtesten Herrn), geschrieben und auf listige Weise von seinen sehr unzufriedenen Mitgenossen ihre Unterschrift für denselben erlangt haben. Schmid, der treue Werber für das Haus Vergueiro, wurde bekanntlich schon frühe bevorzugt, und der Friedensrichter soll 300 Milreis Belohnung erhalten haben. Dieses Letztere ist mir von Höher- und Näherstehenden in Brasilien nicht verneint worden.

Es mag auch Fälle gegeben haben, daß brave, die Kolonieen besuchende Männer sich angelegentlich um die wahren Zustände der Kolonisten erkundigen und diese schildern wollten, aber in Folge der bestehenden Koloniegesetze (Verbot der Fremdenbeherbergung) und in Folge einer gar freundlichen, überall statthabenden Begleitung von Seite des Herrn oder des Direktors, die es natürlich an schöner Ausmalung aller Verhältnisse nicht fehlen ließen, nur Liebes und Gutes, aber nicht die Wahrheit erfuhren und also auch nicht berichten konnten. Es haben eben, wie dies leicht denkbar ist, nicht alle Kolonisten den Muth, wie ihn ein braver, alter deutscher Mann hatte, der zwei solchen Besuchern in Gegenwart des Direktors auf die Frage, wie sie, die Kolonisten, es haben, ungefähr folgende Antwort gab: „Wie haben wirs; wie Sklaven haben wirs! und wenn Sie's verlangen, so will ichs Ihnen beweisen; kommen Sie nur und setzen Sie sich zu mir.“ Der Direktor ging dann aber mit den Herren fort, ehe der Beweis geleistet werden konnte.

Manchmal hörte ich auch folgenden Ausdruck: „Wenn wir die Wahrheit schreiben, so kommen die Briefe nicht ans Ziel. Um sie dorthin zu bringen, müssen wir halt schreiben, wie es gefällig ist.“ Diese so eben angeführte Ursache von guten Berichten führt mich auf den Hauptgrund, warum die