Seite:Die Behandlung der Kolonisten in der Provinz St. Paulo in Brasilien und deren Erhebung gegen ihre Bedrucker.pdf/134

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war, lassen mich sehr vermuthen, es habe sich so verhalten, wie Herr Direktor Jonas mir auf meine diesfalls an ihn gerichtete Frage sagte, Herr Dr. Gattiker habe ihm nämlich den Bericht selbst, mit Vorsatz, übergeben. Doch sei dem, wie ihm wolle, für mich war damals das die Hauptsache, daß Herr Direktor Jonas meinen Bericht theilweise oder ganz gelesen hatte. Wann und wie ich aber dieses erfuhr, wird bald gesagt werden.

Einige Tage später, nämlich den 2. Febr., ließ Herr Luiz Vergueiro mich durch mein ältestes Kind, welches das mir bewilligte Monatsgeld von ihm in Empfang nehmen sollte, zu sich auf die Fazenda rufen. Nachdem ich mich bei ihm eingestellt hatte, fing er, zwar mit freundlich scheinender Miene und lieblichem Tone, aber mit vor Zorn funkelnden Augen an, sich folgendermaßen zu äußern: „Ich habe Sie nur kommen lassen, um Sie auch wieder einmal zu sehen. Ich stehe mit meinen guten Kolonisten gerne in freundlichem Verhältniß und liebe es, wenn sie mich oft besuchen; Sie aber kommen so selten.“ Ich entschuldigte mich mit meiner langen Krankheit, von der ich noch nicht lange befreit sei. Hierauf sagte er ganz ironisch: „Ihre Krankheit wird doch nur physisch sein?“ (nicht etwa im Unbehagen über die Kolonieverhältnisse bestehen?) eine Frage, welche ich mit einem „Ja“ beantwortete. Hierauf machte er eine längere Pause, so daß ich nicht recht wußte, ob das Alles sei, weßwegen ich nach der Fazenda gehen mußte, oder ob ich auf Mehreres zu warten habe. Endlich aber fuhr er unter veränderten Gesichtszügen also weiter: „Ich bin (zwar nur) Verwalter; aber ich verwalte nicht fremdes Gut, sondern Eigenthum; ich habe Macht! Wenn schlechte, charakterlose Menschen lügenhafte, unsere Kolonie schmähende Berichte nach Haus schicken, so habe ich in Brasilien und in Europa Mittel und Leute überflüssig genug in Händen, um mich an ihnen furchtbar zu rächen; sie sind in meiner Macht. Für den Oswald,[1]“ der so schändlich schreibt, sind schon

  1. Dieser Oswald ist ein in der Stadt St. Paulo niedergelassener