Seite:Die Behandlung der Kolonisten in der Provinz St. Paulo in Brasilien und deren Erhebung gegen ihre Bedrucker.pdf/136

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Sie schreiben Tag und Nacht schändliche Berichte und sind ein gefährlicher Mann. Wenn ich nicht auf Ihre arme Familie Rücksicht nähme, so ließe ich Sie zeitlebens einsperren. Sie haben sich sogar erfrecht, unsern guten Herrn auf der Fazenda als einen Spitzbuben darzustellen. Er hat aber nicht aus Schlechtigkeit fallirt, sondern weil ihm (ich weiß nicht, ob 2 oder mehr) Sklavenschiffe mit allen Sklaven von den eigenen Kapitänen deßhalb zu Grunde gerichet wurden, weil ihnen die englischen Wachtschiffe auf die Spur kamen und sie verfolgten.“[1] Zu seinem Schwiegersohne und zu dem unterdessen dazu gekommenen Unterdirektor H. Schmid sagte er, daß der Bruder unsers Herrn, des Luiz Vergueiro, noch vor einem Jahre 80000 Thaler (Milreis) für ihn habe zahlen müssen. Auf mich blickend sagte er dann aber auch zu diesen Herren: „Das ist ein gefährlicher Mann, auf den Sie mir genau Achtung geben sollen; ich stelle ihnen diesen hiemit förmlich unter polizeiliche Aufsicht.“ Aufs Neue sich gegen mich wendend fuhr er also weiter: „Ich habe Ihren Bericht gelesen; ich weiß, was Sie geschrieben haben. Sie sollten erfahren, was unser Herr mit Ihnen machen würde, wenn ich's ihm sagte, was Sie gethan haben; es ist Ihr Glück, daß er es nicht weiß.“ Ferner sagte Herr Direktor: „Ich bin mehr als eine geheime Polizei. So gewiß ich Jonas heiße, sind Sie nicht im Stande, irgend wohin zu schreiben, ohne daß ich erfahre, wohin und was Sie geschrieben haben.[2]“ Sie sollen erfahren, was ich mit Ihnen machen werde, wenn Sie es ferner probiren, solche Berichte zu schreiben und zu versenden. Ich habe auch erfahren, was für ein aufrührerischer Kerl Sie zu Hause gewesen sind, und wie viele Mühe sich Ihre Gemeinde hat kosten lassen, Sie weg zu bringen; ich habe aber auch nach der Schweiz

  1. Die Betreibung eines Geschäftes, bei dem das Leben von Hunderten und Tausenden armer, geraubter Afrikaner ganz auf das Spiel gesetzt oder gar hingemordet werden muß, soll also keine Schlechtigkeit sein!
  2. Wo mag also mein Brief an Herrn Oswald hängen geblieben sein?