Seite:Die Behandlung der Kolonisten in der Provinz St. Paulo in Brasilien und deren Erhebung gegen ihre Bedrucker.pdf/137

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geschrieben, welch ein schändlicher Mann Sie hier sind.“

Dieses Alles hörte ich ziemlich ruhig, ohne ein Wort zu erwidern, ab. Am Ende sagte ich zum Direktor: „Da sich mein Verhältnis hier also gestaltet hat, so kann ich nicht mehr wohl lange hier bleiben. Darf ich mich nach einem andern Platze umsehen?“ Er antwortete hierauf: „Von Herzen gerne erlaube ich Ihnen, sich nach einem andern Platze umzusehen. Ja schauen Sie nur je bälder je lieber einen Bürgen für Ihre Schuld oder das Geld zur Tilgung derselben zu bekommen. Die Strafe (die 50 Milreis per Kopf, die nach dem Kontrakt gefordert werden können, wenn man vor Ablauf der Kündigungsfrist von einer Kolonie wegzieht) schenke ich Ihnen gerne; wenn es in meiner Macht läge, so schenkte ich Ihnen die ganze Schuld, damit Sie schnell fortkämen.“

Nun hatte er sein Herz geleert und das meinige ziemlich gefüllt, und ich konnte nun wieder nach meiner Wohnung zu meinen Lieben gehen, deren Anblick mir damals wahrlich sehr schwere Gedanken erweckte. Diese Sprache war verständlich genug, und ich wußte nun, daß ich keinen Menschen mehr habe, der mir zu rathen vermöchte, und dem ich mich anvertrauen dürfte. Jetzt verstand ich auch die Sprache des Herrn Luiz Vergueiro ganz und erkannte meine Lage als eine wahrhaft nicht beneidenswerthe; die Art und Weise, wie die dortigen Herren ihrem Hasse Luft machen, war mir bekannt, und wenn ich es nicht gewußt hätte, so hat mir es Herr Vergueiro mit seinem Ausdrucke, es seien für den Oswald schon 35 Milreis gerüstet, ja deutlich genug gesagt; zudem haben mich 3 Freunde, denen ich etwelche Mittheilungen von meiner Lage machte, dringend gebeten, doch ja keinen Bericht zu versenden; mein Leben sei sonst in der größesten Gefahr.

Ich gestehe, daß ich damals in ziemlicher Besorgniß um mich und die Meinigen stand, und daß es mit meiner Gesundheit wieder etwa 8 Wochen lang nicht gut ging. Meine damalige Gemüthsstimmung wirkte in Verbindung mit der großen Hitze, die damals herrschte und bei Gesunden Fieber