Seite:Die Behandlung der Kolonisten in der Provinz St. Paulo in Brasilien und deren Erhebung gegen ihre Bedrucker.pdf/141

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Heinrich Schmid habe diesen Brief vor dem Oberdirektor Jonas vorsätzlich geöffnet, und daß dieser Kolonist durch den Schmid sogar Etwas von dem Inhalte des Briefes erfahren habe, war mir damals noch nicht bekannt; dies erfuhr ich nicht lange, bevor es der fragliche Kolonist vor Herrn Dr. Heußer in Anwesenheit der beiden Direktoren unter Anführung von Nebenumständen bezeugte.

Auf meinen weitern Brief, in welchem ich meinem Herrn Korrespondenten den obigen Vorfall unter Beifügung von noch Anderm mittheilte, erhielt ich die Antwort durch den nämlichen Herrn Schmid am 7. Juli 1856. Aeußerlich war dieser Brief ganz in Ordnung; als ich ihn aber sorgfältig geöffnet hatte, so zeigten sich manche innnerliche Risse und Falten, kurz, die unzweideutigen Spuren, daß der Brief umgewandt worden war und beim Einschieben diese Risse und Falten erhalten hatte, traten an den Tag.

In diesem Umstande war mir ein neues Mittel an die Hand gegeben, die Freunde in Rio über die Kolonieverhältnisse aufzuhellen, und ich benützte dieses Mittel in einem folgenden Briefe an Herrn Lutz. Die Antwort auf diesen Brief brachte Herr Direktor Jonas am 26. Oktober 1856 selbst in mein Haus. Sie war, wie ich fest überzeugt bin, noch nicht gelesen; denn es war weder äußerlich noch innerlich die geringste Verletzung zu bemerken, und zudem war an die Stelle der frühern polizeilichen Beaufsichtigung eine ganz andere Behandlung getreten. Nachdem ich meine Gesundheit erlangt hatte, besorgte ich meine Pflanzländer und meinen Kaffee mit den Meinigen in der Weise, daß man nicht wohl anders, als zufrieden sein konnte; überdies benahm ich mich ganz still und vermied in der Furcht, Spione um mich zu haben, so viel wie möglich jeden nähern Umgang mit den Kolonisten, namentlich jede Besprechung der Kolonieverhältnisse. Man konnte also mich nicht einen Aufwiegler, auch nicht einen Faullenzer nennen und mir von dieser Seite Nichts anhaben. Daneben merkten die Herren aus den Antworten, welche ich von Rio erhielt, daß ich von