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Mangel an Frauen, die sich noch zu häuslichen Arbeiten hergeben. „Die gnädige Frau“ zieht die Kunst, die Politik, die Literatur, den Spielsalon vor; die Arbeiterin macht es ebenso – und so findet man eben keine Mägde mehr. Sie sind selten in den Vereinigten Staaten, die Mädchen und Frauen, welche sich entschließen, sich der Sklaverei der Schürze zu widmen.

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Die Lösung ergibt sich durch das Leben selbst und in sehr einfacher Weise. Es ist die Maschine, die drei Viertel der häuslichen Arbeiten auf sich nimmt.

Ihr bürstet euch die Schuhe und ihr wisset wohl, wie lächerlich diese Arbeit ist. Zwanzig oder dreißig Mal mit einer Bürste über einen Schuh fahren – was kann es Stupideres geben? Indes, solange ein Zehntel der europäischen Bevölkerung sich gegen eine schlechte Schlafstelle und eine ungenügende Nahrung verkaufen muß, wird man auch diesen abstumpfenden Dienst verrichten; und solange wird auch die Frau die Sklavin des Hauses bleiben.

Die Barbiere haben schon Maschinen, um die Haare glatt zu bürsten und zu kräuseln. Wäre es nicht sehr einfach, das gleiche Prinzip auch für die Schuhe anzuwenden? – Und dieses ist auch geschehen. – Heute steht schon die Stiefelwichsmaschine bei den großen amerikanischen und europäischen Hotels in allgemeinem Gebrauch. Auch außerhalb des Hotels findet sie schon Anwendung. In den großen Schulen Englands, deren einzelne Abteilungen allein 50 bis 200 Pensionäre zählen, läßt man die Schuhe nicht mehr durch Bediente reinigen. Man hält es für einfacher, sich ein spezielles Etablissement zu engagieren, welches diesen Dienst verrichtet; man erspart dadurch einen Schwarm von Dienerinnen, die sich ausschließlich dieser stumpfsinnigen Beschäftigung hätten widmen müssen. Das Etablissement holt abends die Schuhe und bringt sie am Morgen, mit der Maschine gebürstet, wieder zurück.

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Das Waschen des Geschirrs? Wo findet sich eine Hausfrau, die nicht ein heilloses Grauen vor dieser langweiligen und zugleich schmutzigen Arbeit hätte, die man so häufig noch mit der Hand verrichtet, einzig weil die Arbeit der häuslichen Sklavin nicht rechnet?

In Amerika hat man einen Ausweg gefunden. Es gibt daselbst schon eine Anzahl von Städten, in welchen warmes Wasser ebenso wie bei uns kaltes Wasser in das Haus geliefert wird. Unter diesen Bedingungen war das Problem ein sehr einfaches, und eine Frau, Madame Cockrane, hat die gewünschte Maschine erfunden. Dieselbe wäscht, wischt und trocknet zwanzig Dutzend Teller oder Schüsseln in weniger als drei Minuten. Eine Fabrik in Illinois fertigt diese Maschinen an und verkauft sie zu einem für mittlere Haushaltungen zugänglichen Preis. Und was die kleinen Wirtschaften anbetrifft, so werden sie ihr Geschirr ebenso wie ihre Schuhe einem Etablissement

Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 94. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/110&oldid=- (Version vom 3.6.2018)