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DIE DEZENTRALISATION DER INDUSTRIEN

I.[WS 1]

Beim Ausgang der Napoleonischen Kriege war es England fast gelungen, die in Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts aufblühende Industrie zu erdrücken. Es blieb Herr auf den Meeren und ohne ernsthafte Konkurrenten. Es nutzte diese Lage aus, um sich ein industrielles Monopol zu schaffen; und indem es seinen Nachbarn die Preise für die Waren diktierte, die es nur allein fabrizieren konnte, häufte es Reichtümer über Reichtümer auf und wußte seine privilegierte Situation und alle Vorteile gründlich auszubeuten.

Doch als die bürgerliche Revolution des vergangenen Jahrhunderts die Leibeigenschafft abgeschafft und in Frankreich ein Proletariat erzeugt hatte, nahm die Großindustrie, einen Augenblick in ihrem Laufe gehemmt, einen neuen Anlauf und Aufschwung. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hörte in Folge dessen Frankreich auf, England für manufakturelle Produkte tributpflichtig zu sein. Heute ist Frankreich selbst ein Exportland geworden. Es verkauft an das Ausland für mehr als eine halbe Milliarde Manufakturprodukte, und zwei Drittel dieser Waren sind Stoffe. Man schätzt, daß gegen drei Millionen Franzosen in der Exportidustrie und im Handel tätig sind.

Frankreich ist also nicht mehr der Tributär von England. Es hat vielmehr auch seinerseits gesucht, sich das Monopol für gewisse Zweige des Welthandels zu verschaffen, nämlich für Seiden- und Konfektionswaren; es hat ungeheuren Gewinn daraus gezogen, doch steht es jetzt auf dem Punkt, dieses Monopol auf immer zu verlieren, ebenso wie England auf dem Punkt steht, seines Monopols der Baumwollwaren verlustig zu gehen.

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Geht man weiter nach Osten, so findet man, daß sich die Industrie auch in Deutschland eingebürgert hat. Vor 40 Jahren war Deutschland für fast alle Produkte der Großindustrie ein Tributär Englands und Frankreichs. In unseren Tagen ist dem nicht mehr so. Im Verlauf der letzten 25 Jahre und besonders seit dem Krieg 1870–71 hat Deutschland seine Industrie von Grund auf umgestaltet. Seine größeren Fabriken sind heute schon mit den besten Maschinen ausgestattet; die neuesten Schöpfungen industrieller Kunst, welche Manchester auf dem Gebiete der

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Kapitelzählung fehlt
Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 148. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/164&oldid=- (Version vom 27.8.2018)