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indem er die Prinzipien der intensiven Landwirtschaft und der Gartenkultur verwertet und sie mittels verbesserter Maschinen, welche der Mensch erfunden hat und erfinden kann, in großem Maßstabe anwendet. Man wird Landbau treiben, aber nicht wie das Lasttier von Cantal – der Goldarbeiter des Temple würde sich dafür schön bedanken, – man wird die Landwirtschaft reorganisieren, nicht in zehn Jahren, sondern sofort, inmitten der revolutionären Kämpfe, unter Strafe, dem Feinde zu unterliegen.

Man wird es als intelligenter Mensch tun müssen, seine Hülfe bei der Wissenschaft suchend, und sich für diese angenehme Arbeit zu freudigen Scharen vereinigend, gleich denen, welche vor hundert Jahren das Märzfeld für das Fest der Föderationen zubereiteten – für eine Arbeit voller Genüsse, wenn sie sich nicht über das Maß hinaus verlängert, wenn sie von wissenschaftlichem Gesichtspunkt organisiert wird, wenn der Mensch seine Werkzeuge verbessert und neue erfindet, und wenn er das Bewußtsein hat, ein nützliches Glied der Gemeinschaft zu sein.

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Man wird Landbau treiben. Man wird dann tausend Dinge produzieren, welche wir nur vom Ausland zu beziehen gewohnt sind. Und vergessen wir nicht, daß für die Bewohner des aufrührerischen Territoriums „Ausland“ alles heißt, was ihm nicht auf dem Wege der Revolution gefolgt ist. In den Jahren 1793 und 1871 war schon die Provinz das Ausland, begann es schon vor den Toren von Paris. Der Kornaufkäufer von Troyes hungerte die Sansculotten von Paris ebenso gut oder noch besser aus, als die germanischen Horden, welche von den Verschwörern von Versailles auf den französischen Boden gerufen worden waren. Man wird lernen müssen, dieses Auslandes zu entbehren. Und man wird seiner entbehren können. Frankreich erfand den Rübenzucker, als der Rohrzucker in Folge der Kontinentalblockade zu mangeln begann. Paris fand in seinen Dunggruben das Salpeter, als man es nicht mehr von anders woher beziehen konnte. Sollten uns unsere Großväter, welche kaum die ersten Worte der Wissenschaft stammelten, überlegen sein?

Eine Revolution ist mehr als der Sturz einer Regierung. Es ist das Erwachen der menschlichen Intelligenz, die Verzehn-, Verhundertfachung des Erfindungsgeistes, es ist das Morgenrot einer neuen Wissenschaft – der Wissenschaft eines Laplace, Lamarck und Lavoisier! – Es ist eine Revolution mehr noch in den Geistern als in den Institutionen.

Und man spricht uns davon, in die Werkstatt zurückzukehren, wie wenn es sich darum handelte, nach einem schönen Spaziergang in einem herrlichen Wald in sein Heim zurückzukehren?

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Die Tatsache allein, daß man an dem bürgerlichen Eigentum gerüttelt hat, schließt schon die Notwendigkeit ein, das gesamte ökonomische Leben, in der Werkstatt, auf dem Bauplatz, dem Felde von Grund auf zu reorganisieren.

Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 155. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/171&oldid=3128156 (Version vom 21.5.2018)