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DER ACKERBAU.

I.

Man hat der politischen Oekonomie häufig vorgeworfen, sie leite alle ihre Deduktionen aus dem – unzweifelhaft falschen – Prinzip ab, daß der einzige Beweggrund, der den Menschen zur Erhöhung seiner Produktivkraft treiben könnte, das persönliche Interesse, im engsten Sinne genommen, sei. Der Vorwurf ist ein vollkommen gerechtfertigter, so gerecht, als es Tatsache ist, daß die Epochen der großen industriellen Entdeckungen und wahrer Fortschritte in der Industrie gerade diejenigen waren, in denen man von dem Glück Aller träumte, wo man am wenigsten an eine persönliche Bereicherung gedacht hat. Die großen Forscher und die großen Erfinder dachten hauptsächlich an die Befreiung der Menschheit; und wenn die Watts, die Stephensons, die Jaquards usw. hätten ahnen können, welches Elend aus ihren schlaflosen Nächten für den Arbeiter resultieren würde, so würden sie wahrscheinlich ihre Pläne verbrannt, ihre Modelle zerbrochen haben.

Ein anderes Prinzip, welches gleichfalls in der politischen Oekonomie Anklang gefunden hat, und ebenso falsch ist, ist die stillschweigende, fast allen Oekonomisten gemeinsame Voraussetzung, daß – wenn es auch eine Ueberproduktion in gewissen Industriezweigen gegeben haben mag – gleichwohl eine Gesellschaft niemals genügend Produkte erzielen könnte; und daß folglich niemals der Moment kommen wird, wo jemand des Zwanges enthoben sein würde und dürfte, seine Arbeitskraft gegen einen Lohn zu verkaufen. Diese stillschweigende Voraussetzung ist die Basis aller Theorien und aller sogenannten „Gesetze“, die uns von den Oekonomisten gelehrt werden.

Und dennoch ist es sicher, daß an dem Tage, wo sich irgend eine zivilisierte Gesellschaft nur fragt, welches die Bedürfnisse Aller und welches die Mittel sind, diese zu befriedigen, sie sehen würde, daß die Industrie und Landwirtschaft schon vollkommen im Besitz dieser Mittel sind. Sie kann allen vorhandenen Bedürfnissen gerecht werden, wenn sie es nur versteht, diese Mittel zur Befriedigung ihrer wirklichen Bedürfnisse anzuwenden.

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Daß dies für die Industrie zutrifft, kann keiner mehr bestreiten. Es genügt in der Tat, nur die in den großen industriellen Etablissements heute schon gebräuchlichen Verfahren, um Kohle und Erz zu graben, um

Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 157. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/173&oldid=- (Version vom 3.6.2018)