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des Bodens erschöpft ist, so läßt man ihn liegen und sucht sich an anderer Stelle jungfräulichen Boden, um diesen gleichfalls zu erschöpfen.

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Anders die intensive Landwirtschaft. Ihr kommen die Maschinen mehr und mehr zu Hülfe, ihr Ziel ist es, einen beschränkten Raum gut zu kultivieren, ihn zu düngen, zu verbessern, die Arbeit zu konzentrieren und den größtmöglichsten Ertrag zu erzielen. Diese Art der Landwirtschaft breitet sich von Jahr zu Jahr mehr aus, und während man sich in der Großlandwirtschaft des Südens von Frankreich wie der fruchtbaren Strecken des westlichen Amerikas mit einer Durchschnittsernte von 10 bis 12 Hektoliter pro Hektar begnügt, erntet man auf dem gleichen Raum im Norden Frankreichs regelmäßig 36, sogar 50 und bisweilen 56 Hektoliter. Der jährliche Getreide-Konsum eines Menschen ließe sich unter diesen Verhältnissen von der Fläche eines Zwölftel-Hektars erzielen.

Und je mehr man sich der intensiven Kultur zuwendet, um so weniger Arbeit erfordert die Produktion eines Hektoliters Getreide. Die Maschine ersetzt den Menschen bei den vorbereitenden Arbeiten, und man macht eine derartige Bodenamelioration, wie die Drainage oder das Beseitigen von Steinen – Arbeiten, welche die zukünftigen Ernten verdoppeln – ein für alle Male. Bisweilen gelangt einzig durch eine tiefe Bestellung eines mittelmäßigen Bodens, ohne daß man im geringsten düngt, jahrelang zu ausgezeichneten Ernten. Man hat es so während zwanzig Jahren in der Nähe von London, in Rothamstead, gemacht.

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Doch schreiben wir keinen landwirtschaftlichen Roman. Bleiben wir bei jener Ernte von 40 Hektolitern stehen, die keinen exzeptionellen Boden, sondern einfach eine rationelle Landwirtschaft erfordert, und sehen wir, was bedeutet sie.

Die 3 600 000 Menschen, welche die beiden Departements Seine und Seine-et-Oise bewohnen, konsumieren jährlich zu ihrer Erhaltung etwas weniger als 8 Millionen Hektoliter Brotgetreide. Nach unserer Annahme müßten sie, um diese zu erzeugen, von den 610 000 Hektaren, die sie besitzen, 200 000 bewirtschaften.

Es ist offenbar, daß sie dieselben nicht mit dem Spaten bestellen werden. Dies würde zuviel Zeit (nämlich 240 Tage à 5 Stunden pro Hektar) erfordern. Sie werden statt dessen den Boden ein für alle Male verbessern, sie werden drainieren, was drainiert werden muß; applanieren, was applaniert werden muß; den Boden von Steinen säubern usw. – Sollte diese vorbereitende[WS 1] Arbeit 5 Millionen Arbeitstage à 5 Stunden in Anspruch nehmen, so würde dies pro Hektar einen Durchschnitt von 25 Arbeitstagen ergeben.

Man würde alsdann den Dampfschälpflug (défonceur) anwenden, was 4 Tage pro Hektar beansprucht, und noch 4 weitere Tage für die Bestellung mit dem gewöhnlichen Doppelpflug hinzufügen. Man würde auch nicht den ersten besten Samen nehmen, sondern man würde denselben zuvor durch das Dampfsieb auslesen lassen. Man würde ihn auch nicht wie heute, in die vier Windrichtungen werfen, sondern ihn (durch die Drillmaschine)

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: vorberietende
Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 162. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/178&oldid=- (Version vom 21.5.2018)