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und wird sie in Bewirtschaftung nehmen. Und nachdem man während seines ganzen Lebens ein Drittel seiner Zeit geopfert hat, um eine ungenügende und schlechte Nahrung zu gewinnen – wird der Pariser sie dann selbst produzieren am Fuße seiner Mauern, innerhalb des Bereichs der Forts (wenn diese dann noch existieren sollten), und zwar im Verlaufe einiger Stunden anziehender und gesunder Arbeit.

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Jetzt fehlen noch die für den Bedarf notwendigen Früchte und Gemüse. Verlassen wir die Tore von Paris und besuchen wir eines jener Etablissements für Gemüsekultur, die einige Kilometer von den Akademien entfernt liegen und Wunder verrichten, von denen die dort hausenden ökonomischen Weisen sich nichts träumen lassen. Treten wir z. B. einmal bei Mr. Ponce, dem Autor eines der erwähnten Werke über Gemüsekultur, ein. Er macht keineswegs ein Geheimnis aus seinen Erträgen. Im Gegenteil, er hat uns des längeren davon erzählt.

Monsieur Ponce und namentlich seine Arbeiter arbeiten wie die Neger. Es sind ihrer 8, um ein wenig mehr als einen Hektar (11 Zehntel Hektar) zu kultivieren. Sie arbeiten sicherlich 12–15 Stunden täglich, d. h., dreimal mehr, als nötig wäre. Ihrer 24 wären nicht zu viel für diese Arbeit. Auf eine derartige Bemerkung würde uns Monsieur Ponce wahrscheinlich entgegnen, daß er zur Ausbeutung seiner Arbeiter gezwungen ist, weil er jährlich die erschreckende Summe von 2500 Francs an Pacht und Steuern für seine 11 000 Quadratmeter Erde und 2500 Francs für den Dünger, den er aus den Kasernen kauft, zahlen muß. „Ausgebeutet, beute ich meinerseits aus“, würde aller Voraussicht nach seine Antwort lauten. Sein Inventar hat ihm auch noch 30 000 Francs gekostet; die Hälfte davon ist ein Tribut an die faulenzenden Industriebarone. Im ganzen repräsentiert sein Inventar höchstens 3000 Arbeitstage – wahrscheinlich noch viel weniger.

Doch sehen wir uns seine Ernten an: 10 000 kg Karotten, 10 000 kg Zwiebeln, Rettige und andere kleine Gemüsesorten, 6000 Köpfe Kohl, 3000 Köpfe Blumenkohl, 5000 Körbe Tomaten, 5000 Dutzend ausgewählter Früchte, 154 000 Köpfe Salat, kurz, ein Gesamtertrag von 125 000 kg Gemüsen und Früchten von 11 Zehntel Hektar, von einem Raum, der 110 m lang und 100 m breit ist. Ein Ergebnis also von mehr als 110 Tonnen Gemüse auf einem Hektar.

Da nun ein Mensch während eines Jahres nicht mehr als 300 kg Gemüse und Früchte ißt, so trägt der Hektar eines solchen Gemüsegärtners soviel Gemüse und Früchte, daß man damit reichlich den Tisch von 350 erwachsenen Personen während eines Jahres versehen könnte. Wenn also 24 Personen während eines Jahres täglich 5 Stunden arbeiten würden, so würden sie genug Gemüse und Früchte für 350 Erwachsene oder, was gleichbedeutend wäre, für wenigstens 500 Einwohner produzieren.

In anderen Worten, bei der Kultur von Ponce würden – und seine Resultate sind schon überholt – 350 Erwachsene etwas über 100 Stunden (103) im Jahre arbeiten müssen, um 500 Personen mit Gemüsen und Früchten zu versehen.

Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 166. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/182&oldid=- (Version vom 21.5.2018)