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Bemerken wir, daß eine derartige Produktion durchaus keine Ausnahme ist. Sie wird betrieben vor den Mauern von Paris, auf einer Fläche von 900 ha und seitens 5000 Gärtnern. Heute sind diese Gärtner allerdings zum Leben eines Lasttiers verdammt, weil sie eine Durchschnittspacht von 2000 Frcs. pro Hektar bezahlen müssen.

Aber diese Tatsachen, von deren Richtigkeit sich ein Jeder überzeugen kann, beweisen sie nicht, daß 7000 ha (von 210 000 verbleibenden) ausreichen würden, um alle möglichen Gemüse und eine reiche Auswahl an Früchten für die 3½ Millionen Einwohner unserer beiden Departements liefern zu können?

Was die Quantität Arbeit anbetrifft, die zur Produktion dieser Früchte und Gemüse erforderlich ist, so würde sie eine Zahl von 50 Millionen Arbeitstagen à 5 Stunden erreichen (eine Ziffer von 50 Arbeitstagen für den erwachsenen Mann), wenn wir die Arbeitsleistung der Gemüsegärtner zum Maßstab nehmen. Doch wir werden sich diese Quantität sofort reduzieren sehen, wenn man in gleicher Weise verfahren wollte, wie man heute schon in Jersey oder Guernesey verfährt. Wir wollen auch noch daran erinnern, daß der Gemüsegärtner nur deswegen gezwungen ist, solange zu arbeiten, weil er namentlich frühe Gemüse zieht, deren hoher Preis zur Bezahlung seiner fabelhaften Lasten dienen muß, und daß sein Produktionsverfahren mehr Arbeit, als in Wirklichkeit notwendig ist, erfordert. Da er auch nicht über die genügenden Mittel verfügt, um einmalige große Auslagen für die Beschaffung seines Inventars zu machen, so muß er das Glas, das Holz, das Eisen, die Kohle sehr teuer bezahlen; er fordert deswegen vom Dünger die künstliche Wärme, die man mit viel geringeren Kosten durch Kohle und Wärmhäuser erreichen kann.

IV.

Die Gemüsegärtner sind, wie wir sagten, gezwungen, sich zu Arbeitsmaschinen herabzuwürdigen und auf alle Freuden des Lebens zu verzichten, um zu ihren fabelhaften Ernten zu kommen. Doch diese wackeren Arbeiter haben der Menschheit einen immensen Dienst geleistet, indem sie uns lehrten, daß man Erde erzeugen kann.

Sie erzeugen sie mit dem Mist, der dazu gedient hat, den jungen Pflanzen und den Erstlingen die nötige Wärme zu geben. Sie fabrizieren Erde in so großen Quantitäten, daß sie jedes Jahr gezwungen sind, sie teilweise zu verkaufen. Sonst würden sich ihre Gärten jährlich um 2 oder 3 cm erhöhen. Sie fabrizieren deren so viel und so gut, daß (Barral unterrichtet uns darüber im „Dictionnaire d’agriculture“ in dem Kapitel: „Maraichers“) der Gemüsegärtner sich in seinen neuen Kontrakten ausbedingt, seine Erde mit sich zu nehmen, falls er die Parzelle, die er bebaut hat, verläßt. Die Erde, die auf Wagen zugleich mit den Möbeln und den Glasdächern forttransportiert wird – dieses Bild ist die Antwort, welche die praktischen Landwirte auf die Hirngespinste eines Ricardo geben, der in der Grundrente das einzige Mittel zur Ausgleichung der natürlichen Vorteile mancher Bodenarten sah. „Der Boden ist wert, was der Mensch wert ist“ – das ist das Losungswort des Gärtners.

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Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 167. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/183&oldid=- (Version vom 21.5.2018)