Seite:Die Eroberung des Brotes.pdf/28

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Millionen von Menschen würden glücklich sein, wenn sie die vielen noch unbebauten oder schlecht kultivierten Länderstrecken in Gefilde mit reichen Ernten umwandeln könnten. Ein Jahr zweckmäßiger, intelligenter Arbeit würde genügen, um den Ertrag des Bodens, welcher heute in Frankreich im Durchschnitt nur 8 Hktlt. Getreide pro Hektar liefert, zu verfünffachen. Aber diese bereitwilligen Pioniere müssen feiern, weil Diejenigen, welche den Grund und Boden, die Bergwerke, die Manufakturen besitzen, es vorziehen, ihre Kapitalien – die der Allgemeinheit gestohlenen Kapitalien – in türkische und ägyptische Anleihen zu stecken oder in Gewinnanteilen der Goldminen Patagoniens anzulegen, wo dann die ägyptischen Fellahs, die aus ihrem Geburtslande vertriebenen Italiener oder die chinesischen Kulis für sie arbeiten.

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Dies ist die bewußte und direkte Einschränkung der Produktion; aber außer dieser gibt es noch eine indirekte und unbewußte Einschränkung, welche darin besteht, die menschliche Arbeit auf die Produktion von absolut unnützen Gegenständen oder von Dingen zu verschwenden, die einzig zur Befriedigung der törichten Eitelkeit der Reichen dienen.

Man könnte es nicht einmal annähernd in Ziffern wiedergeben, bis zu welchem Maße die Produktivität in indirekter Form herabgesetzt wird – durch die Verschwendung der Kräfte, welche wahrhaft produktiv tätig sein könnten und namentlich den für die nützliche Produktion so notwendigen Werkzeugapparat schaffen sollten. Es genügt, der Milliarden zu erwähnen, die in Europa für Rüstungen verausgabt werden, ohne einen anderen Zweck als Märkte zu erobern, als den Nachbarn nachteilige Handelsverträge aufzuzwingen und die Ausbeutung des eigenen Landes zu erleichtern; die Millionen, welche jährlich jenen Menschen gezahlt werden, deren Mission es ist, das Recht der Minoritäten auf die Leitung des ökonomischen Lebens einer Nation zu erhalten; der Millionen, welche für Richter, Gefängnisse, Gendarmen und das ganze Rüstzeug, welches man Rechtswesen nennt, verschleudert werden, während – man weiß es sehr wohl – eine Linderung (und sei sie noch so unbedeutend) des Elends der Großstädte genügte, um die Verbrechensziffer in bedeutenden Proportionen zu vermindern; der Millionen endlich, die verbraucht werden, um durch das Mittel der Presse schädliche Ideen, falsche Neuheiten im Interesse dieser Partei, der und der politischen Persönlichkeiten oder jener Kompagnie von Ausbeutern zu verbreiten.

Aber auch das ist noch nicht alles. Denn es wird noch viel mehr total überflüssige Arbeit verausgabt: hier, um den Reitstall, den Hundepark, das Gesinde des Reichen zu erhalten, dort, um die Launen der Demimonde und den entarteten Luxus der hohen faulenzenden Damen zu befriedigen; ferner, um den Konsumenten zu zwingen, das zu kaufen, dessen er gar nicht bedarf oder um ihm durch Reklame einen Artikel von schlechter Qualität aufzuzwingen; endlich noch, um absolut schädliche Lebensmittel zu produzieren, die allerdings dem Unternehmer einen schönen Gewinn abwerfen. Was auf diesem Wege

Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/28&oldid=- (Version vom 21.5.2018)