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Wir wollen nicht jeden seines Rockes entblößen, sondern wir wollen den Arbeitern alles das zurückgeben, was ihrer Ausbeutung Vorschub leisten könnte. Mit allen uns zu Gebote stehenden Kräften wollen wir auf einen gesellschaftlichen Zustand hinarbeiten, in dem niemand mehr Mangel leiden soll, in dem auch nicht ein einziger Mann gezwungen ist, zu seiner und seiner Kinder Ernährung seine Arbeitskraft zu verkaufen.

Dies verstehen wir unter der „Expropriation“, und ihre Verwirklichung ist unsere Aufgabe während der kommenden Revolution, deren Ausbruch wir nicht nach zwei Jahrhunderten, sondern innerhalb der nächsten Zukunft erhoffen.

III.

Die anarchistische Idee im allgemeinen und die der Expropriation im besonderen finden unter den unabhängigen Charakteren und den Männern, für welche der Müßiggang nicht das höchste Ideal ist, viel mehr Sympathie, als man glaubt. „Hütet euch indessen“, entgegnen uns häufig unsere Freunde, „zu weit zu gehen. Die Menschheit wird sich eines Tages nicht mäßigen können; und wenn ihr zu weit in euren Forderungen bezüglich der Expropriation und der Anarchie geht, so könntet ihr Gefahr laufen, etwas zu schaffen, was ohne Bestand ist.“

Nun, was wir hinsichtlich der Expropriation befürchten, ist keineswegs, zu weit zu gehen. Wir fürchten im Gegenteil, daß die Expropriation sich in zu engen Grenzen vollzieht, um von Dauer zu sein; daß die revolutionäre Begeisterung auf halbem Wege schwindet, sich in halben Maßregeln, welche niemanden befriedigen werden, erschöpft; daß eine halbe Expropriation, die eine gewaltige Umwälzung in der Gesellschaft und einen Stillstand ihrer Funktionen zur Folge haben würde, nicht lebensfähig ist, vielmehr allgemeine Unzufriedenheit sät und den Triumph der Reaktion unvermeidlich macht.

Es haben sich in unseren Gesellschaften tatsächlich derartig enge Beziehungen herausgebildet, daß eine Aenderung in ihnen unmöglich geworden ist – auf dem Wege von partiellen Reformen. Die verschiedenen Teile unserer ökonomischen Organisation stehen in solchem unbedingten Abhängigkeitsverhältnis zu einander, daß man nicht an dem einen eine Aenderung vornehmen kann, ohne das ganze in Mitleidenschaft zu ziehen: man wird diese Beobachtung machen, sobald man einmal an einer Stelle mit der Expropriation beginnen wird.

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Nehmen wir einmal an, daß in irgend einer Gegend eine teilweise Expropriation vorgenommen wird: daß man sich zum Beispiel – wie unlängst Henry George gefordert hat – darauf beschränkt, die Großgrundbesitzer zu expropriieren, ohne zu gleicher Zeit Hand an die Fabriken zu legen; daß man in irgend einer Stadt die Häuser enteignet, ohne die Lebensmittel als Gemeingut zu erklären; oder daß man in irgend einem industriellen Landstrich die Fabriken expropriiert und die großen Güter im Privatbesitz läßt.

Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 34. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/50&oldid=- (Version vom 21.5.2018)