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DIE LEBENSMITTEL.

I.

Wenn die nächste Revolution eine soziale Revolution sein soll, so wird sie sich von den früheren Erhebungen, nicht nur durch ihr Ziel, sondern auch durch ihre Mittel unterscheiden. Ein neues Ziel erfordert neue Wege.

Die drei großen Volkserhebungen, die wir während eines Jahrhunderts in Frankreich gesehen haben, unterscheiden sich von einander in sehr vielen Beziehungen. Gleichwohl haben sie einen Zug gemeinschaftlich.

Das Volk greift zu den Waffen, um das alte Regime zu stürzen, es vergießt sein kostbares Blut. Aber nachdem es den ersten Anstoß gegeben, kehrt es in die Dunkelheit zurück. Eine Regierung, aus mehr oder minder ehrenhaften Männern zusammengesetzt, konstituiert sich und sie ist es, welche es auf sich nimmt, im Jahre 1793 die Republik, im Jahre 1848 die Arbeit und im Jahre 187l die freie Kommune zu organisieren.

Wohl überwachen die Arbeiterklubs die neuen Regierer. Häufig zwingen sie ihnen sogar ihre Idee auf. Aber selbst in diesen Klubs, mögen die Redner Bourgeois oder Arbeiter sein, ist immer die bürgerliche Idee die vorherrschende. Man spricht viel von politischen Fragen und vergißt – die Brotfrage.

Große Ideen wurden in diesen Epochen geboren – Ideen, welche das ganze Weltall erschüttert haben, Worte wurden gesprochen, welche noch heute nach dem Verlauf eines Jahrhunderts unser Herz schlagen machen.

Das Brot indessen mangelte in den Vorstädten.

Mit dem Augenblicke, wo die Revolution eintrat, ruhte unvermeidlich die Arbeit. Die Zirkulation der Waren stockte, die Kapitalien verbargen sich. Der Arbeitgeber hatte in diesen Epochen nichts zu fürchten: er lebte von seinen Renten, wenn er nicht gar auf das Elend spekulierte; der Lohnarbeiter sah sich dagegen zu einer kümmerlichen Lebensfristung, die morgen gar noch in Frage gestellt werden konnte, verdammt. Die Hungersnot kündigte sich an.

Und das Elend kam auch – ein Elend, wie man es kaum unter dem alten Regime gekostet hatte.

– „Es sind die Girondisten, welche uns aushungern“‚ hieß es im Jahre 1793 in den Vorstädten. Und man guillotinierte die Girondisten;

Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 39. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/55&oldid=- (Version vom 21.5.2018)