Seite:Die Eroberung des Brotes.pdf/57

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

den Fehler, den man gemacht hatte, man ließ die Gemeindesuppe kochen, aber es war schon zu spät: die Versailler waren schon innerhalb der Befestigungen.

– „Brotes und wieder Brotes“ bedarf es in der Revolution.

Mögen andere sich damit beschäftigen, tönende Aufrufe zu verfassen! Mögen andere sich mit Tressen schmücken, soviel als ihre Schultern tragen können. Mögen andere endlich sich in glänzenden Deklamationen über die politischen Freiheiten ergehen!

Unsere Aufgabe wird es sein, dafür zu sorgen, daß mit den ersten Tagen der Revolution und während ihrer ganzen Dauer auch keine einzige Person innerhalb des aufständigen Gebietes des Brotes ermangelt, daß keine Frau mehr gezwungen ist, einer Schüssel Kleie – eines reinen Almosens – wegen stundenlang vor einer Bäckerei sich zu drängen, daß kein einziges Kind mehr der für seine schwache Konstitution notwendigen Lebensmittel ermangelt.

Die Sache des Bürgertums ist es gewesen, sich in schönen Reden über die großen Prinzipien, oder richtiger, großen Lügen zu ergehen. Die Sache des Volkes wird es sein, allen den Lebensunterhalt zu sichern. Und während die Bürger und die verbürgerlichten Arbeiter in den Klatschzirkeln die großen Männer spielen, während „die praktischen Männer“ unaufhörlich über die Regierungsformen diskutieren werden, werden wir „Utopisten“ an die Beschaffung des täglichen Brotes denken.

Wir haben die Kühnheit zu behaupten, daß jeder nach Bedürfnis essen soll und kann und daß die Revolution durch die Beschaffung des Brotes für Alle allein siegen kann

II.

Wir haben die Kühnheit, zu behaupten, daß jeder nach Bedürfnis unsere Utopie sich bis zu dem Glauben versteigen lassen, die Revolution könne und müsse Allen Wohnung, Kleidung und Nahrung sichern – was natürlich den Bourgeois (roter oder blauer Färbung) arg mißfällt; denn sie wissen, daß sich ein gesättigtes Volk schwer unterdrücken läßt.

Nun, wir werden von dieser Utopie nicht lassen; es gilt dem aufständigen Volke das Brot zu sichern, und hinter der Magenfrage müssen alle übrigen zurückstehen. Wenn sie im Interesse des Volkes gelöst ist, so wird die Revolution sich auf richtigem Wege befinden; denn um die Frage nach den Lebensmitteln lösen zu können, ist es notwendig, das Prinzip der allgemeinen Gleichheit zu akzeptieren, welche sich übrigens unter Ausschluß aller übrigen Lösungen aufdrängen wird.

Es ist sicher, daß die kommende Revolution, ähnlich darin derjenigen vom Jahre 1848, inmitten einer furchtbaren, industriellen Krise ausbrechen wird. Seit vielen Jahren befinden wir uns schon in voller Gärung, und die Situation kann sich nur verschlimmern. Alles trägt dazu bei: die Konkurrenz der jungen Völker, welche für die Eroberung der alten Märkte den Kampfplatz betreten, die Kriege, die stets wachsenden Steuern, die allgemeine Unsicherheit und Unstetigkeit der Verhältnisse, die großen fremdländischen Unternehmungen usw.

Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/57&oldid=- (Version vom 21.5.2018)