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Liste.png Verschiedene: Die Gartenlaube (1892)





„Schopeu^ einer kurzen Iacke mit Aermelu. Eine lange schwarze Seidenschürze, breite, in die ,'^opfe gestochtene Bänder und tveiße Strümpfe neblt rochen Laschettschnhen vervollständigen ihre malerische bracht.

In solchem sestlichen Vntze sehen wir eine Familie, einen noch sangen Mann, statt seiner kranken Fran sein altes ^Rütterleiu am ^lrme, mck seinen beiden Kindern und seiner sittsam voranschreitenden Schwester zu. Kirche wallen. Es ist noch ziemlich srüh, denn noch sind außer ihnen nur wenige Kirchgänger sichtbar. Gleichwohl haben sich schon einige srische Bnrschen hart neben dem Eingang zum Kirchhos aus die Mauer gefetzt, um über die fangen Mädchen, die h.er oorbei müssen, eine ehrsame und stille, aber äußerst vergnügliche Parade abzu.ehmen. Und sie haben heute Glüek, die Drei! Da kommt so gleich zu Anfang die schöne Tonika, aus die im geheimen schon mancher ein Auge geworsen hat. Die reizende Blondine kennt ihre Leute mohl und meiß auch, meshalb sie dasitzen, aber sie blickt nicht aus, sondern geht mit züchtig niedergeschlagenen Aügen an ihnen vorüber. .^wei der sangen Bursche schauen ihr nun mit ossen- barer Bewuuderung ins erröthende Antlitz. Der erste hat sogar die Vseise aus dem Muude genommen und denkt wohl. „Dnnder und 's Wetter, acht des Maidli suser lsanber, hübsch)!“ Der zweite aber weiß, daß die ^seife ihren Mann ziert, und schmaucht deshalb ruhig weiter. Auf feiuem hübscheu Gesicht kann man sedoch lesen, daß er bei sich beschließt. „Bi Gott, die g'fallt m'r - die muß mi Schate werde!“

Der dritte guckt nach der andern Seite, wahrschein. lich weil er meint. „Die will doch nir von mir!“ Bielleicht hat ihm die hübsche Hanensteinerin dies schon zu versieben gegeben und er „trutzt“ deshalb und denkt. „Die b'sieh' i nimmer mehr!“ Wer kann über- hanpt wissen, was so ein sunger „Hotze“ - diesen Ueber- namen giebt man gewöhnlich scherzweise den Hanen- steinern - alles denkt!

' ^erriugetori.r.. (^a dem Bilde S. .^.) Die siegreichen Legionen Eäsars hatten Gallien nntermorfen, doch noch einmal erhoben sich seine vereinigten Bölker- schasten unter Führung des ^lrverners Vereingetorir gegen die römische Herrschaft. Eäsar eilte über die Alpen herbei, um den Ansstand zu Boden zu werfen. Die entscheidenden Kämpse sanden im Jahre ..^ v. Ehr. bei Atefia statt, einer hochgelegenen Vergseste, geschürt durch zwei Flüsse, welche den Fuß des Berges bespülen. Hierher war Vereingetorir von Eäsar zu.ückgedrängt worden und hatte sich dicht bei der Stadt mit ..^.tlltl^ Mantt verschanzt. Eäsar solgte ihm mit ^ tll.l.t Mann und schloß ilm durch Crrichtung eines Bollwerkes von l.l.t.^ Fuß im Umfang ein, um ihn auszuhungern. Dnrch eine noch ausgedehutere Reihe von Besestigungen schützte er das eigene Heer gegen die gewattige Ueber- macht der gesammelten trappen des gaazen übrigen Galliens, deren .^ahl sich aus !^ llll^ belies und welche heranrückten, um die Feste zu entsetzen. ^lls es Eäsar gelangen war, diese Streitmacht vollstäudig auss Haupt zu schlagen da blieb Bereümetorir. keine Wahl, als sich und sein Heer dem römischen Feldherrtt zu über- gebett. ^lttf dem Bilde Mottes sehett wir den gallischen Führer aus seinem Rappett, in der Hand das Schwert, das er dem mächtigen Gegtter im Hintergrnnd des waffenstarrenden Spaliers von Kriegern überreichen soll. In seitter ganzen Haltmtg ist es ausgebrüht, wie schwer es dem tapsereu sällt, sich dem Unvertneid- lichen zu fügen. ^n beiden Seiten stehen die römischen trappen ansmarschiert - tttatt sieht die Feste in der Ferne, tttatt sieht die Belagerungsthürme der Römer, aus denen die Wnrsntaschinen und die Schleuderer Verderben in die Reihen der Feinde sandten, man sieht die diesen- pallisaden der .^agerbesestigungen. Itt der Geschichte des gallischen .Kriegs ist dieser Augenblick , den der sranzösische Maler heransgegristen, der em.. scheidende - es ist das Vild einer ruhmvollen Riederlage.

Vereingetorir. wurde gesangen nach Vom gebracht und sechs Jahre später, nachdem er in Eäsars trinmphzug mitansgesührt worden, von diesem hingerichtet. Der gekrönte Biograph des Inlins Eäsar, Napoleon lll., glaubte indeß dem tapserett, wenn auch anglütklicheu Führer der großen gallischen Volkserhebung ein ehrendes Denkmal setzen zu müssen.

Das alte Alesia ist von den Römern bei der Einnahme zerstört worden die wiederausgebaute Stadt '.^. von de'n Vormattnen. Bei dem Flecken Alise in dem Departement Eöte-d'.^r stnden sich trütnnter der alten Stadt, Ueberbleibsel von Brnnnen, Wasserleitungen. Auf dem Mont-^lur.ois bei Alife nun ließ Rapoleon lll. eine t.^ Meter hohe, aus Knpfer getriebene Kolossalstatue des Bereingetorir. errichten, mit der In- schritt.. die aus Eäsars Werk über den gallischen Krieg enmommen ist^ „Das geeinigte Gallien, eine einzige Ration bildend, von demselben Geiste beseelt, kann der ganzen Welt trotz bieten.“ ^s

^inderheil^tättem Es ist eine der schönsten Ansgaben der sorgenden Menschenliebe, Krankheit und Siechthnm schon in den Kindern zu be- kämpfen und den armen Kleinen, soweit es in menschlicher Macht steht, das hohe Gnt einer gesnnden kräftigen Ingend zu erobern. Die ^oth des Lebens, ungesnnde Wohnanasräume, Mangel an genügender Rahrung, ost auch erbliche Belastung legen so vielsach in dem empfind- lichen Körper des Kindes den Keim za schweren, langwierigen, so lebens- länglichen Leiden, ohne daß es den mittenosen Eltern möglich wäre, die zur Heilung nöthigen Maßregeln selbst durchzuführen, für Aufenthalt in gesunder Luft, kräftigende Speisen und ärztltche Behandlung za svrgem

o^t^^t t^ ^...m..^.. ^ ut.t..t^ ^tm.

Da treten denn die von den Spenden wohlthätiger Menschen unter- stützten Kinderheckstätten in die Lütke und öffnen ihre Vsorten für die armen hilsldsen Wesen.

Schon früher, im Jahrgang l.^, Halbh. l^, konnten wir Mittheilungen über die Kinderpstegeanstalt in Vordernev machen. Dieselben .stiele versolgt die schriftliche Kinderheilstätte“ in dem Soolbade Königsdorff.Iastrzentb in '^berschtesien. ^lnch dort stnden skrophnlöse, blutarme, rachitische und zurückgebliebene Kinder ohne Unterschied der Konsession billige, se nach Umständen sogar nnentgeltliche Ausnahme, Vstege durch die Breslauer Vetbanien-Schwestern und sachgemäße ärztliche Behandlung durch den ersten Badearzt, .l^r. Karsunkel aas Breslau. Die Anstalt verfügt in einent von der Badeverwaltung ihr überlassnen Hanse über ausreichende Väume, in welchen sie im vergangenen Jahre ^ Kinder während einer vier- bis sechswöchigen Kurzeit beherbergte und aus welchen sie eine große Anzabl geheilt entlassen konnte. Vielleicht sind diese seilen manchem von Werth, der für ein krankes Kind Sorge.za tragen bat. er wird von der Vorsteherin, Frau Helene langer in Königsdorsf-Iastrzemb, gennß gertt jede weitere Auskunft erhalten^ vielleicht geben sie aber auch diesem oder senem, der seiner Dankbarkeit für eines eigenen Kindes Genesung Ansdrntk verleihen möchte, Veranlassung, das barmherzige Wer'k durch eine Gabe zu unterstützen.

t^in ^enümal kür ^lmr ^äsne^.enbnrger.. ^Mi^ Abbildnugen.) ^u thalheim bei tntllingen in Würt- temberg rnhen in einer würdigen Gruft die Gebeine des Dichters der „Wacht am Rttein“. Dorthin, an seinen Geburtsort, hat man sie in der Mitte der achtziger Jahre von Bnrgdors in der Schweiz über- geführt, tren seiner „ Letzten Bitte“, die er in den schönen Vers gekleidet.

„Wenn ich einmal sterben werde Weit von meinem Vaterland, Legt mich nicht in sremde Erde, Bringt mich nach dem heim'schen Strand. Meines Herzens Flamme lodert Einzig Dir, Germania, trmn wettn einst mein Leib vermodert, Sei mein Staub den Vätern nah!“

In tnttlingen aber, der ^beramtsstadt von thal- heim, wird ihm am .^. Inni ein schöne^ Denkmal enthüllt, dessen hochragende Idealsignr der „Wacht am Rhein“ wir nebst dem am Sockel angebrachten Medaillon- porträt des tichters unseren Lesern in Abbildung vorsübren.

Das Denkmal, ein Werk des Berliner Bild- haaers Adolf Iahn, steht auf einem durch Ber- legung der Donan gewonnenett großen freiett VlatZ, den zu. ^eit schon eine „Bistttarck-“ und eine „Moltke-Eiche“ schtnücken und der im ^aufe der Jahre zu einer wirklich schönen Anlage größeren Stils werden wird. Ans einem dreieinhalb Meter hohen granitnen Sockel, dessen Vorderseite das trestliche ^elies^ bild des Dichters trägt, erhebt sich die Statne, drei Meter hoch, in Vronze gegossen.

Adols Iahn ist am .l'^. Dezember zu Stettitt geboren. Früh verwaist, tvnchs er bei einem .^heim zu Berlin aus, wo er erst die Gewerbeschule, dann die Kunstakademie besuchte und mehrsach Vreise sich erwarb. Ansangs der achtziger Jahre arbeitete Iahn zu Wien in den Ateliers mehrerer hervorragender Bildhauer und später ebenso in Berlin bei Krnse, Breuer und Kasssack. Gewiß dars man von dem begabten Künstler noch manches schöne Werk er- warten.

^er dentlche ^mndwerlterverein in .^wnstantina^el.. Bor drei Jahren (Jahrgang .t^.. Halbheft ^ haben wir in der „Gartenlanbe“ unseren deutschen Landsleuten in Konstantinopel einen Besuch abge- stattet und uns berichten lassen von ihrem Leben und treiben, ihrem Streben und Gedeihen. Wir erstthren dabei, daß sich das Deutschtham Konstantinopels hauptsächlich in zwei Vereinen zu.ammenschließt, in der „teutonia“ und in dem „Deutschen Handwerkerverein“, die sich beide einer gesnnden Blüthe ersrenen und, seder in seiner ^lrt, zu. Erhaltung und Förderung deutschen Wesens inmitten der fremdartigen orientalischen Welt zusammenwirken.

Bon dem Handwerkerverein ist uns in neuester .s.seit wieder ein Lebenszeichen zugekommen. trotz mannigfacher widriger Verhältnisse - es ist ihm z. V. nicht weniger als dreimal all sein Hab und Gut ver- brannt - hat er es heute soweit gebracht, daß er an die Errichmng eines eigenen Heims denken kann, wie es die „teutonia“ bereits seit Jahren besi^t. .....u diesent Anstreben eines eigenen Hanfes sieht sich der

Verein nicht bloß durch ideale Gründe veranlaßt, ihn zwingen dazn auch hie immer mehr steigenden Miethpreife und die Unficherheit der Vefitzverhältnisse.

So hat er denn ein Grundstück erworben, auch einen Baufonds ge- sammelt, aber der letztere genügt noch nicht für die Ausführung, und allein aus eigenen Kräften könnte der Berein erst in tüner Reihe von Jahren zum ^iele gelangen. So wendet er sich denn an dtm hilfreichen Sinn der deutschen Handwerksgeuossen, insbesondere der Handwerkervereine, mit der Vitte, ihm bei der Erreichung seines ^.wetks durch Beran- stalmng von Sammlungen, von Borstellungen oder in irgend einer an- dern angemessenen Weise behstflich zu sein, und wir unfererseits ttnter-

stützen gerne eine Vitte, welche wie diese auf Förderung und Belebung

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1892). Leipzig: Ernst Keil, 1892, Seite 419. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1892)_419.jpg&oldid=3292583 (Version vom 31.7.2018)