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unbestimmt … Wie soll ich nach der einzigen Silbe wissen, ob jene Enttäuschung eine unangenehme war, oder eine willkommene? … Nun? …“

Er bog sich weit in das Fenster herein und sah starr in ihr Gesicht, als wolle er eine Antwort von ihren Lippen ablesen; aber sie wendete sich entrüstet ab … Abscheulich! wie war es nur möglich zu denken, daß Hollfeld ihr je willkommen sein könne! Mußte nicht ihr Gesicht, ihr ganzes Wesen dem verhaßten Menschen gegenüber stets und immer ihre tiefste Abneigung beweisen?

(Fortsetzung folgt.)




Diätetisches Recept für Fettleibige.


Um die Fünfzig herum, oder wohl auch schon einige Jahre früher, nimmt bei den meisten Menschen, zumal wenn sie ein ruhiges, behagliches Leben führen, das Fett (besonders unter der Haut) allmählich mehr und mehr zu und sie werden wohlbeleibt, bekommen Embonpoint. Diese dem zweiten Mannes- (Frauen-) Alter zukommende und mit Liebe zur Ruhe und Bequemlichkeit einhergehende Wohlbeleibtheit ist, wenn sie nicht in sehr kurzer Zeit, sondern allmählich zu Stande kommt und wenn sie den Körper nicht unförmlich dick macht, eine ganz naturgemäße und ohne alle Gefahr.

Ganz anders verhält es sich mit der die Wohlbeleibtheit überschreitenden Fettleibigkeit, die aber wohl von derjenigen Corpulenz zu unterscheiden ist, welche sehr fleischigen Personen zukommt. Die Fettleibigkeit findet sich entweder schon in jüngern Jahren oder ziemlich rasch ein und sie schafft dem Körper nicht nur eine unschöne Form von Dickheit, sondern auch Beschwerden und sogar Lebensgefahr (Schlagfluß). Und darum muß der Fettleibige, wenn er schön und gesund bleiben und lange leben will, nicht nur sein überflüssiges Fett wegschaffen, sondern auch nach dessen Wegschaffung den Ansatz von neuen ungehörigen Fettmassen verhindern. Aber, und das nehme sich der Fette wohl zu Herzen, dieses Wegschaffen des Fettes darf ja nicht übereilt geschehen, in kurzer Zeit erzwungen werden, weil sonst der Gesundheit und dem Leben nachtheilige Ereignisse (sogar Schlagfluß) eintreten können; es muß behutsam und allmählich geschehen. Ebenso dürfen auch in der Nahrung durchaus nicht alle, unten näher bezeichnete, fette oder fettmachende Stoffe fehlen, denn unserm Körper sind dieselben zum Aufbaue seiner Organe und zur lebenswichtigen Wärmeentwickelung ganz unentbehrlich. Auch könnte der alsdann zu reichliche Genuß von fettlosen eiweißstoffigen Nahrungsmitteln (Fleischspeisen) Krankheiten (z. B. Gicht) erzeugen.

Gegen diese angeführten beiden Vorsichtsregeln verstoßen nun sehr häufig die der Banting’schen Entfettungscur Huldigenden und ziehen sich dadurch Beschwerden mancher, ja sogar gefährlicher Art zu, abgesehen davon, daß sie in Folge des raschen Fettverlustes gewöhnlich garstig zusammenrunzeln. Wer also sein überflüssiges Fett wegschaffen will, beachte die folgenden diätetischen Regeln:

I. Verminderung von Fettablagerungen durch passende Nahrung:

1. durch sparsamen Genuß ebenso von fetten Stoffen,
2. wie von fettähnlichen Substanzen, sogen. Fettbildnern.

II. Erschwerung des Fettabsatzes aus dem Blute:

3. durch hinreichende Bewegung (körperliche Arbeit);
4. durch Anregung des Blutlaufes und des Athmungsprocesses.

III. Wegschaffung des überflüssigen Fettes:

5. theils durch regere Verbrennung desselben, mit Hülfe einer durch zweckmäßiges Athmen gesteigerten Sauerstoffzufuhr;
6. theils durch flotteren Fluß des fettreichen Blutes, mit Hülfe zweckmäßiger Bewegung, tiefen Athmens und hinreichenden Wassergenusses.

Ad I. Eine passende Nahrung für den Fettleibigen ist diejenige, welche arm an fetten und fettähnlichen (sogen. stickstofflosen, kohlenwasserstoffigen) Substanzen, dagegen reich an eiweißstoffigen (sogen. stickstoffhaltigen) Materien ist. Zu den letzteren Stoffen, die sich vorzugsweise in den thierischen Nahrungsmitteln vorfinden, gehören: das Weiße des Eies, Käse, Fleisch, Gallerte; Kleber (in den Getreidesamen) und Legumin (Pflanzenkäsestoff in den Hülsenfrüchten).

Ad 1. Zu den fetten Stoffen gehören: das Fleischfett (Schmalz und Talg), die Butter, das Eidotter, das Knochenmark, Fisch- und Leberthran, die fetten Oele.

Ad 2. Die fettähnlichen Stoffe, welche wir mit unserer Nahrung genießen und welche innerhalb unseres Körpers (des Verdauungsapparates und Blutes) zu wirklichem Fette umgewandelt werden können, sind: alle Zuckerarten (ebenso der Rohr- und Trauben-, wie der Milchzucker in der Milch), sowie auch der Spiritus (Alcohol) und das Stärkemehl (in den Kartoffeln, Getreidesamen, Hülsenfrüchten, Sago).

Hiernach würde also der Fettleibige sich vorzugsweise des reichlichen Genusses von allen fetten Speisen, von Butter, Zucker (zuckerreichen Speisen und Getränken, auch zuckerhaltigen Wurzelgemüsen), Mehlspeisen, Gebäck, Kartoffeln und starken spirituösen Getränken zu enthalten haben; nicht aber braucht er diese Nahrungsstoffe und Genußmittel ganz und gar zu meiden. – Die Diät könnte etwa so eingerichtet werden: zum Frühstück Thee oder Kaffee ohne oder mit abgerahmter Milch und ohne oder mit nur wenig Zucker; Weißbrod mit magerem Fleische oder Schinken (Zunge) und ohne Butter; fettlose Bouillon. Zum Mittagessen: Suppe aus Fleischbrühe, aber mit nur wenig Fett und ohne Mehlstoffe (Gräupchen, Nudeln, Sago, Reis); Fleisch jeder Art, nur nicht fettreich oder in viel Butter gebraten; Austern; von grünen Gemüsen hauptsächlich Blättergemüse (nicht zuckerreiche Rüben); als Getränk leichtes Bier oder Wasser mit etwas leichtem Weine; Kartoffeln und Brod sind sehr mäßig zu genießen. Nachmittags: Kaffee oder Thee mit abgerahmter Milch und ohne Zucker. Zum Abendessen: mageres Fleisch (Schinken, Zunge), magerer Käse, Eier, Weißbrod (aber ohne Butter); Obst; leichtes Bier.

NB. Es ist merkwürdig, wie die meisten Menschen dem Biere durchaus eine ganz absonderlich schnell fettmachende Eigenschaft aufzwingen wollen, obschon im Bier (mit Ausnahme des sehr malzreichen) in Folge der Gährung nur äußerst geringe Quantitäten von fettähnlichen Stoffen vorhanden sind. Wenn Biertrinker fett werden, so ist nicht das Bier, wohl aber fettmachendes Essen und ruhiges, faules Leben daran schuld.

Ad 3. Große körperliche Ruhe (besonders neben geistiger und gemüthlicher Ruhe) unterstützt das Fettwerden ganz außerordentlich (wie das Mästen der Thiere beweist), und deshalb muß der Fettleibige einer solchen Ruhe zum Theil entsagen. Er muß sich hinreichende Bewegung machen, nicht blos ein Viertelstündchen spazierenschleichen, sondern weitere Fußtouren machen und Berge steigen, turnen, Schlittschuh fahren, reiten, schwimmen, kegeln, Billard spielen, Holz sägen, im Garten arbeiten u. s. w. Der Schlaf darf gerade nur zur Stärkung hinreichen und nicht über sechs bis sieben Stunden dauern, vorausgesetzt nämlich, daß das Gehirn durch geistige Arbeit nicht zu sehr angestrengt wird. Das Nachmittagsschläfchen darf nur sehr kurz sein.

Ad 4–6. Durch Anregung des Blutlaufes und des Athmungsprocesses wird ebenso die unnütze Anhäufung von Fett (unter der Haut und in oder an innern Organen) erschwert, wie auch das überschüssige Fett allmählich durch Verbrennung (mit Hülfe des eingeathmeten Sauerstoffes zu Kohlensäure und Wasser) aus dem Körper weggeschafft. Es läßt sich aber diese günstige Einwirkung auf das Fett durch den Blutlauf und das Athmen dadurch erreichen, daß man sich gewöhnt, des Tages öfters in reiner Luft recht langsam und tief ein- und auszuathmen (zumal beim Spazierengehen im Freien, besonders in frischer, sauerstoffreicher, sonniger Waldluft), daß man die oben angegebene Körperbewegung nicht unterläßt, und daß man seinem fetten, dickflüssigen Blute die gehörige Menge Wassers zur Verdünnung zuführt. Wer einen guten Magen hat, kann kaltes Wasser reichlich trinken, einem schwachen Magen bekommt dagegen heißes Wasser weit besser. Letzteres (etwa zwei bis drei Biergläser voll) würde am Besten früh vor dem Kaffee und bei oder vor dem Spazierengehen (mit Tiefathmung) getrunken werden.

Empfohlene Zitierweise:
verschiedene: Die Gartenlaube (1866). Ernst Keil’s Nachfolger, Leipzig 1866, Seite 151. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1866)_151.jpg&oldid=- (Version vom 31.7.2018)