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Liste.png Verschiedene: Die Gartenlaube (1871)


und diejenigen, welche zur Erweckung der geistigen Thätigkeit bestimmt sind, wie die Sinnes- und Empfindungsapparate, also gerade diejenigen Organe, welche das Schulkind in der Schule am nöthigsten braucht.

Der Athmungsapparat, dessen Bewegungen beim Ein- und Ausathmen, nach den Herzzusammenziehungen, den größten Einfluß auf den Blutlauf ausüben, kann in der Schule auf verschiedene Art Nachtheile erleiden: theils durch die schlechte Luft, welche sich in den mit Schülern überhäuften Schulstuben bildet und von jenen eingeathmet wird, theils durch die unzweckmäßige Temperatur in den Stuben, theils durch das Erschweren der Athembewegungen in Folge falscher Körperhaltung. – Was die einzuathmende Luft betrifft, so wirkt vorzugsweise deren Verunreinigung mit Kohlenoxydgas und mit Staub schädigend auf die Schleimhaut der Luftwege. – Die Temperatur der Schulzimmerluft kann ebenso durch zu große Wärme, wie durch zu große Kälte nachtheiligen Einfluß auf die Athmungswerkzeuge der Schulkinder ausüben. Zu große Wärme der einzuathmenden Luft versetzt die Lunge, welche für gewöhnlich eine kältere Luft athmet, in einen Zustand der Blutüberfüllung und kann dadurch Lungenleiden verursachen. Auch wird bei zu hoher Temperatur das Athmen gestört, denn es sinkt dabei die Zahl und Tiefe der Athemzüge, sowie die Menge der ausgeathmeten Kohlensäure, und der gesammte Kreislauf geht weniger rasch von Statten als in kühlerer Luft. – Besonders ist aber den Kindern der schnelle Wechsel zwischen der sehr warmen Schulzimmerluft und der kalten Luft im Freien gefährlich, denn er ruft sehr leicht Entzündungsprocesse im Athmungsapparate hervor. Solche gefährliche Entzündungen kommen besonders dann leicht zu Stande, wenn die Kinder, aus der warmen Luft der Schulstube kommend, bei kaltem rauhem Ost- oder Nordwinde auf dem Schulwege herumtollen und laut schreien. Es ist deshalb die Pflicht des Lehrers, seinen Schülern eindringlich zu rathen, beim Verlassen der warmen Schule draußen in der rauhen freien Luft den Mund zu schließen und durch die Nase Athem zu holen. Ueberhaupt wird und sollte ein gewissenhafter Lehrer dem Athmen seiner Schüler mehr Aufmerksamkeit widmen, als dies zur Zeit geschieht; er sollte die Schüler in den Zwischenstunden freie reine Luft gehörig langsam und tief einzuathmen veranlassen. Hierbei lasse er die Achseln zurücknehmen und die Brust herausdrücken, damit die durch das gebückte Sitzen erzeugten Störungen im Athmungs- und Kreislaufs-Apparate baldigst aufgehoben und wieder ausgeglichen werden.

Eine falsche Körperhaltung des Schülers, besonders das starke Beugen des Kopfes und Oberkörpers, das Andrücken des Rumpfes an den Schultisch, übt vorzugsweise nachtheiligen Einfluß aus den Blutlauf aus und erschwert die Thätigkeit der durch die Beugung gedrückten und verschobenen Organe. – So kann, wenn der Kopf tief herabgebeugt wird, der Blutlauf in den großen Adern des Halses gestört und ebenso der Zufluß guten Blutes zum Gehirne wie der Abfluß schlechten Blutes von demselben erschwert werden. Kopfschmerzen, Schwindel, dicker Hals und Kropf, Nasenbluten, können auf diese Weise (als sogenannte mechanische, passive Congestionen) entstehen, und zwar um so leichter und in um so höherem Grade, wenn enge Kleidungsstücke den Hals und die Brust zusammendrücken und so ebenfalls noch auf Blutfluß und Athmung hemmend einwirken. – Der Druck auf die Unterleibsorgane bei stark gebeugtem Oberkörper wirkt aber ebenso auf den Athmungs-, wie auch auf den Verdauungsapparat störend ein und Appetitlosigkeit, Unregelmäßigkeiten in den Verdauungs- und im Unterleibsblutlaufe sind die Folgen davon. Diese Beschwerden kommen um so leichter zu Stande, je zeitiger nach dem Mittagessen das Kind in der Schule zusammengekrümmt sitzt.

Außer den genannten, auf mechanische Weise (durch Druck) entstandenen Störungen im Blutlauf (mechanische Congestionen) mancher Organe erscheinen beim Schulkinde auch sogenannte active Congestionen mit vermehrter Herz- und Gefäßthätigkeit (Erweiterung der Pulsadern) in Folge von angestrengter Hirnthätigkeit und von Ueberstrahlungen (Reflexen) vom Gehirn und von den Hirnnerven auf die Herznerven und das Gefäßnervensystem. Diese Art von Congestionen könnten ebenfalls erzeugen: Kopfweh (mit geröthetem Gesicht, heißer Stirn, rothen Ohren, Benommenheit des Kopfes, Schwindel, Flimmern vor den Augen, Schläfrigkeit, Brechneigung und Brechen), besonders bei Mädchen; Nasenbluten, besonders bei Knaben und vorzugsweise in den obern Classen; dicken Hals, der in den Ferien gewöhnlich wieder verschwindet, Kropf (Schulkropf), der nach den Schuljahren oft kleiner wird. – Diese genannten Leiden finden sich um so leichter ein, je höher die Temperatur der Schulzimmer ist. Denn heiße Luft ruft Erweiterung der Blutgefäße (mit Blutüberfüllung) hervor und dadurch Blutungen (in Folge von Zerreißung mit Blut überfüllter Gefäße) und Störungen (vorzugsweise Mattigkeit) in der Thätigkeit der Organe (besonders auch des Gehirns und der Sinnesorgane, der Musculatur). Hierzu kommt noch, daß die Hitze auf die Kinder, wegen des Wachsthums ihrer Organe, weit ungünstiger einwirkt als auf Erwachsene, und es ist deshalb grausam und gewissenlos vom Lehrer, Kinder in heißen Schulstuben geistig anstrengen zu wollen. Die Schulstunden müssen durchaus Mittags und Nachmittags ausgesetzt werden, sobald die Luft im Freien früh gegen neun Uhr vierundzwanzig Grad Réaumur im Schatten erreicht hat. Uebrigens ist dem Kinde in der Schule die Hitze dadurch erträglicher zu machen, daß das Schulzimmer gelüftet und mit Wasser (und Essig) besprengt wird, daß die Sonne soviel als möglich von demselben (durch Fenstervorhänge u. dgl.) abgehalten wird, daß die Kinder nicht zu dicht beisammen und nicht in unbequemer, anstrengender Haltung zu sitzen gezwungen sind.

Außer den aufgeführten Schulkindkrankheiten, welche man in ihrem Entstehen oder doch in ihrer Verschlimmerung der falschen Behandlung des Kindes in der Schule zuzuschreiben pflegt, treten am Schulkinde aber auch noch Uebel auf, die es vom Hause in die Schule mitbringt und die recht wohl vom Lehrer beachtet werden sollten. Solche Uebel könnten entweder den andern Schülern Schaden bringen, wie ansteckende Krankheiten (besonders der Haut) und ekelerregende, besonders den Gesichts- und Geruchssinn beleidigende Uebel, oder sie könnten den kranken Kindern selbst, deren Eltern sehr oft zu wenig Aufmerksamkeit auf jene Uebel verwenden und selbige für zu unwichtig halten, für die Zukunft sehr nachtheilig werden, wie Leiden der Sinneswerkzeuge und im Athmungsapparate (Hustekrankheiten). – Krampfkrankheiten, besonders Epilepsie und Veitstanz, werden den Mitschülern nicht blos durch den Anblick der Leidenden widerwärtig, sondern rufen sogar (durch sogenannte psychische Ansteckung) ähnliche Krämpfe bei denselben hervor. – Ganz besonders muß auch die Uebertragung parasitischer Pflanzen (Kopfgrinde) und Thiere (Läuse, Krätzmilben) von einem Kinde auf andere verhütet werden.

Bock.




Im Hauptquartier des Prinzen Friedrich Karl.
Von unserem Berichterstatter Georg Horn.
Dreizehnter Brief. Ein Stündchen in der Armeepost.


Napoleon der Erste ließ seinen Soldaten von den Briefen, welche dieselben aus der Heimath bekamen, nur den vierten Theil zustellen, ebenso machte er es mit den Correspondenzen, welche aus dem Felde nach der Heimath gingen. Wenn er aber einen Sieg errungen hatte, da gestattete er die Beförderung aller Soldatenbriefe, da waren sie ihm ein willkommenes Mittel, die freudige Botschaft in Frankreich zu verbreiten, während sonst die Schilderungen der Mühen und Strapazen des Krieges, vielleicht auch der Niederlagen die Stimmung daheim verderben konnten, und im Felde hinwieder die allzu lebhafte Verbindung mit der Heimath einen üblen, erschlaffenden Einfluß auf den militärischen Geist ausüben konnte. Das war Napoleon’sche Praxis und für einen Eroberer in den damaligen Zeiten mochte dieselbe auch ganz zweckmäßig sein, die moderne Kriegführung aber würde damit nicht mehr auskommen. Wir führen ja auch keinen Eroberungskrieg, bei dem nur das Interesse eines Einzigen im Spiele ist, und der darum die Wahrheit und die öffentliche Meinung zu scheuen hat, wir führen einen Nationalkrieg, an dem die Interessen unseres ganzen Volkes betheiligt sind; wir haben auch keine Söldlinge, keine Prätorianer im Felde stehen, es ist unser ganzes Volk, das die Waffen trägt, die deutsche Familie.

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1871). Leipzig: Ernst Keil, 1871, Seite 196. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1871)_196.jpg&oldid=- (Version vom 31.1.2017)