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Verschiedene: Die Gartenlaube (1874)

Künstlern beschäftigten die Fugger namentlich die Holbein, Hans Birkenmaier, Hagenauer und Johannes Fischer, welcher Bildnisse und Historien, meist auf Kupfer, mit Farben von bewundernswerther Dauerhaftigkeit malte. Von ihren Architekten hat sich das glänzendste Denkmal Elias Holl gesetzt in dem von ihm erbauten Rathhause. Graf Hans Jakob Fugger hatte ihn in Venedig zum Meister ausbilden lassen; ihm wird nachgerühmt, er habe „halb Augsburg“ gebaut. In großer Beliebtheit standen auch die Sculptur und die Schnitzereien in Holz und Elfenbein; ebenso hat man noch heute Gelegenheit, in alten Patricierhäusern die feinen Schreiner- und Schlosserarbeiten zu bewundern.

An all’ solchen Herrlichkeiten fehlte es nirgends weniger als im Fugger-Hause. Man geht natürlich an der Hand der alten Augsburger Chronisten und Geschichtschreiber hinein, denen so gewissenhaft auch der brave Geschichtsforscher und Patriot Hans Karl Dippold (gestorben 1811 in Danzig) nachgegangen ist, um dem deutschen Volke in seiner erbärmlichsten Zeit, 1811, die Bilder großer vergangener Tage zum Troste und zur Ermuthigung vorzuführen. Ihm folgen wir in diesen Schilderungen.

Von marmornen Säulen getragen, deren Knäufe dem Muster der Alten nachgebildet waren – so berichtet er –, stieß ein geräumiges und geschmücktes Gemach an das andere, unterbrochen von warmen Bädern und bedeckten Lustgängen, und überall hatte man die getäfelten Decken und Zierrath aller Art zu bewundern. Im Schlafgemache zog der vergoldete Stubenhimmel und ebenso das Bett wegen seiner Prächtigkeit aller Augen auf sich; an dasselbe stieß ein Betstübchen, dem heiligen Sebastian geweiht, dessen Sessel besonders kostbar an Stoffen und Arbeit waren. In Raymund Fugger’s Hause rühmten die Besucher jener Zeit vor Allem die großen Säle mit den reichgeschmückten Kaminen und die Thüren, die durch des Hauses Mitte alle genau aufeinander stießen; auch wird die häusliche und künstlerische Ausstattung aller Räume zwar reich, doch solid und durchaus nicht verschwenderisch genannt. Hier hat sich freilich wiederum der Begriff nach der Größe der Mittel zu dehnen. Denn wenn man an den Wänden nur prächtige Gemälde von den besten, zum nicht geringen Theile italienischen Meistern sah, so war das eben auch nicht Jedermanns Kauf. Mehrere Gemächer enthielten die Antikensammlung, welche Graf Raymund mit ungemeinen Kosten überall her, wo er solcher habhaft werden konnte, meistens aber aus Griechenland und Sicilien herbeigeschafft hatte. Im ersten Zimmer standen die Bronzen, u. A. ein Jupiter, ein Neptun, ein Mercur, eine Pallas etc., Manches kaum kenntlich unter dem Roste des Alterthums. Der Hauptschatz des zweiten Gemachs war eine liegende Circe aus Stein, rings um sie her auf dem Rande der Marmortafel die Opfer ihrer Zauberei. Ein drittes Zimmer füllte eine große Sammlung zum Theil noch wohl erhaltener, zum Theil zertrümmerter Sculpturwerke an. – Die Anlegung von Münzsammlungen war durch Peutinger eine Leidenschaft der Hochmögenden in Augsburg geworden. Die Fugger thaten’s ihm zuerst nach, dann zuvor; Beiden folgten die Hopfer, Buroner, Steininger und Hainhofer, deren Sammlungen ein Stolz Augsburgs waren, bis der Dreißigjährige Krieg alle verschlang.

Wie die bildenden Künste, so fanden auch die Wissenschaften an den Fuggern Förderer und Pfleger. Ihre Bibliothek galt für eine der größten nicht blos in Augsburg; doch waren namentlich hierin die Ansprüche in der alten Zeit bescheidener, als in unseren Tagen der Dampf-Schnellpressen. Die Bücherei des Klosters Hirschau zählte im zwölften Jahrhundert sechszig Bände, und das war etwas Außerordentliches. Welch gepriesenes Geschenk war 1421 die Bibliothek, mit welcher der Kurfürst Ludwig von der Pfalz seine Universität Heidelberg beglückte; es waren zweihundertzweiundfünfzig Bände. Peutinger’s Sammlung war stärker, doch noch gering gegen die der Fugger, die aus fünfzehntausend Stück bestand – und besonders durch einen Reichthum an griechischen und römischen Handschriften ausgezeichnet war. Letztere verschaffte ihnen, oft um ganz bedeutende Summen und mit unglaublicher Mühe, ihr Sachwalter am türkischen Sultanshofe, Johann Doreschwan. Einer ihrer besten Bibliothekare war der seiner Zeit berühmte Humanist und lateinische Dichter Hieronymus Wolf, dem trotz alles Wissens sein Glaube an Zauberei, Astrologie und Chiromantie ein elendes Leben bereitete, und Heinrich Stephan zu Paris, den Ulrich Fugger zur Herausgabe alter Handschriften in Sold nahm und der gar manches Buch selbst schrieb, setzte und druckte, nannte sich 1558 bis 1567 „des erlauchteten Ulrich’s Fugger Buchdrucker“. – Sogar zwei künstliche Sphären, von M. Furtenbach und von Albrecht Dürer’s Hand, gehörten zu dem gelehrten Apparat. In eigens dazu eingerichteten Gemächern saßen nun da die Gelehrten und Schriftsteller, oft weit her, als Gäste der Fugger und schwelgten im Genuß der so seltenen Schätze. Wie dieselben von Augsburg fort- und wohin sie gekommen, gehört in die Geschichte der Fugger.

Auch die Pflege der Tonkunst war ihnen nicht fremd Wie sie im Besitz ihrer eigenen Orgel waren, und zwar in ihrer prächtigen Capelle in der Sanct Annenkirche, in welcher in Stein, Marmor, Holz und Farben die Kunst viel Herrliches geleistet, das bis auf heute bewahrt ist, so hatten die Fugger auch ihre eigenen Organisten und Componisten, wie Gregor Aichinger, dessen „Cantionen“ 1546 zu Augsburg gedruckt wurden, Martin Boets aus Brüssel, einen kunstreichen Mann, und Leo Haßler aus Nürnberg, den Schöpfer vieler Messen und Kirchenstücke.

Manche behaupten, daß noch sehenswerther, als die von aller Kunst erfüllten Häuser und Capellen, die Gärten der Fugger gewesen seien. Sie lagen theils im Bezirke der Ringmauer, theils vor dem Thore. Allerdings gehörte der Geschmack jener Zeit dazu, um von ihrer sorgfältig geschnittenen Buchsbaumwelt, den schnurgeraden Baumgängen und den steifzierlichen Lauben so entzückt zu werden, wie jener poetische Fuggerverherrlicher, welcher, zwischen den „mehr als dädalischen“ Labyrinthen, Springbrunnen, Wasserwerken, Bäumen und italischen Gewächsen lustwandelnd, nur darüber erstaunt war, daß nicht alle Götter des Olymps sofort sich auf die Sohlen machten, um auf dem sammtenen Wasen und des Gartens Tapezerei ihre himmlische Lust zu suchen. Blumen, wie sie diese Gärten erforderten, waren eine kostbare Waare, denn da mußten nicht blos die herrlichsten Hyacinthen und Narcissen blühen, sondern auch die Tulpe begann damals vom Morgenland her ihren Triumphzug nach Europa. Zwar trug der Schweizer Conrad Gesner, der deutsche Plinius genannt, den Sieg davon, die neue Wunderblume Tulipa Gesneriana zu nennen, aber die Augsburger lassen es sich nicht nehmen, daß schon zwei Jahre vor ihm, 1557, ihr Mitbürger Heinrich Herwarts die ersten Tulpenzwiebeln aus Constantinopel erhalten habe. Da werden sie auch die Fugger nicht lange vermißt haben, in deren Gärten außerdem das edelste Obst wuchs, Oliven und Lorbeeren immer grünten und Franzosenholz (Buchsbaum) und Weinreben vortrefflich gediehen. Wer will es da einem zeitgenössischen Autor, Herrn Beatus Rhenanus, verargen, wenn er vor all den Lusthäusern, Bädern und Bildsäulen von Erz und Marmor inmitten dieser duftenden und farbenglühenden Herrlichkeit ausruft: Selbst die königlichen Gärten zu Tours und zu Blois, die er doch auch gesehen, seien nichts gegen die der Fugger.

Und in solchen Wohnungen und Gärten beherbergten diese Augsburger Kaufherren und Geldgroßen ihre Kaiser! Und da soll es unglaublich sein, daß sie nicht bloß Zimmtholz, sondern auch Schuldscheine ihnen zu Lieb’ und Ehren verbrannt hätten? An der Glaubhaftigkeit mäkelt auch Dippold, der gewissenhafte, nicht, aber – die Urkundlichkeit verläßt uns eben doch. Ja, es tritt sogar gegen die Wahrscheinlichkeit der Sage selbst ein Kämpfer auf, dem das ganze Augsburger Stadtarchiv dazu zu Gebote steht. Derselbe theilt der Redaction der Gartenlaube darüber das Folgende mit:

„Die Wahrheit dieser Scene muß aus verschiedenen Gründen auf das Stärkste angezweifelt werden. In keiner einzigen der sämmtlichen gleichzeitigen Geschichtsquellen findet sich eine Andeutung jener Erzählung. Historisch beglaubigt ist nur so viel, daß die Fugger schon seit der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts die Hofbanquiers der Habsburger waren. Schon im Jahre 1473, als Kaiser Friedrich sich in Augsburg zum Zuge nach Trier rüstete, um den Herzog Karl von Burgund mit Geldern zu belehnen, begann Ulrich Fugger mit den Fürsten des Hauses Oesterreich Geldgeschäfte die in der Folge zu enormer Höhe gelangten. 1509 zahlten die Fugger innerhalb acht Wochen an Kaiser Maximilian zum Kriege gegen Venedig die Summe von hundertsiebenzigtausend Dukaten aus. Von ihnen empfing

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1874). Leipzig: Ernst Keil, 1874, Seite 209. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1874)_209.jpg&oldid=- (Version vom 27.8.2018)