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Liste.png Verschiedene: Die Gartenlaube (1880)

Leitung, als sie in die Hand der im ersten Drittel des vierzehnten Jahrhunderts gegründeten Petri-Bruderschaft gelegt wurden. Allen, welche sich als Mitglieder der Petri-Bruderschaft aufnehmen ließen und ihren bestimmten Jahresbeitrag entrichteten, wurde die Vergünstigung zugestanden, auch an Orten, auf welchen das Interdict lastete, die heiligen Sacramente zu empfangen und des feierlichen kirchlichen Begräbnisses theilhaftig werden zu können. Der Papst Johann der Zweiundzwanzigste ertheilte in einem besonderen Schreiben allen Indulgenzen und Privilegien, welche der Erzbischof den für den Dombau Beitragenden bewilligt hatte, seine oberhirtliche Genehmigung. In dem Diöcesanstatut des Jahres 1327 wurde bestimmt: „Niemand solle Denjenigen, welche für den Dombau sammeln, hindernd in den Weg treten. Alle Gelder, welche für die Petri-Bruderschaft eingehen, sollen sorgfältig aufgehoben und den Collectaren unverkürzt übergeben werden. Den Collectaren soll es freistehen, bei ihrer Anwesenheit in einer Parochie bei der Pfarrmesse gleich nach verlesenem Evangelium in einer besonderen Predigt die Sache des Dombaues zu empfehlen und zu reichlichen Gaben aufzufordern.“

Leider wurde die allerwärts geweckte Opferwilligkeit sehr bald von Schwindlern gemißbraucht. Gerade weil Jeder bereit war, seine freigebige Hand zu öffnen, so oft ein Collectant im Namen des Domes einen Beitrag forderte, lag für Geistliche wie Laien die Versuchung nahe, unter dem Vorwande, Beiträge für den Dom zu sammeln im Lande umherzuziehen, die für den Bau der Metropolitankirche bestimmte Spenden in Empfang zu nehmen und dieselben zu eigenem Nutzen zu verwenden. Erzbischof Wilhelm sah sich bewogen, diese Mißbräuche auf's Strengste zu rügen und alle Diejenigen mit den härtesten Kirchenstrafen zu bedrohen, welche die für den Dom bestimmten Beiträge zurückhalten und so den Fortgang des Baues gefährden würden.

Die Verwaltung der Verwendung der aus Sammlungen, Opfern und Vermächtnissen in die Dombaukasse fließenden Gelder stand unter zwei Provisoren, wovon gemäß einem Abkommen vom Jahre 1365 der eine vom Erzbischof, der andere vom Capitel bestellt wurde. Nach Maßgabe einer Urkunde vom Jahre 1452 stellte sich allmählich der Gebrauch fest, daß die ganze Verwaltung der Dombaukasse, die Disposition über die vorhandenen Gelder, die Beaufsichtigung des Baues, die Anstellung des Werkmeisters und der Arbeiter einem Capitularen übertragen wurde, der mit Zustimmung des Capitels seine Bestallung vom Erzbischof erhielt und „Baumeister der Kirche zum Dome“ (fabrice ecclesie Coloniensis magister, rector, provisor et administrator) genannt wurde. Als solche Baumeister kennen wir: Bernard de Castro, Pfalzgraf Stephan, Graf Philipp von Oberstein.

Einen ganz anderen Geschäfts- und Wirkungskreis hatte der technische Werkmeister, welcher ebenfalls vielfach unter dem Namen „Baumeister des Domes“ erscheint. Nach dem Tode des bereits erwähnten dritten Werkmeisters Johann tritt als dessen Nachfolger ein gewisser Rütger an die Spitze des Baues. Gegen die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts treffen wir als obersten Werkmeister den Steinmetzen Michael Lapicida. In einem Actenstücke, durch welches 1398 „Bürgermeister, Rath und Bürger gemeinlich der Stadt Köln“ vor das kaiserliche Hofgericht zu Rottweil geladen werden, erscheint unter den Vorgeladenen Andres, Meister „im Turm“; es ist dies Meister Andreas von Everdingen der noch 1412 als „Werkmeister in dem Doyme zo Coelne“ erscheint. Darauf finden wir Meister „Clais“, das ist Nicolas von Büren als Dombaumeister, und nach ihm erhielt der Gemahl seiner Nichte Sophie, Meister Conrad, die Leitung des Dombaues. Im Jahre 1463 wurde ihm auf der Tagsatzung zu Regensburg das Obermeisterthum für die Steinmetzbruderschaft in dem Gebiete von Niederdeutschland zugestanden. Auf diesem Obermeisterthum beruhte es, daß durch einen Schiedsspruch in Steinsachen zwischen den Steinmetzen und Malern 1491 dem „Doymmeister“ ein gewichtiges Wort eingeräumt wurde. Johannes von Frankenberg scheint damals Dommeister gewesen zu sein. Schon seit dem vierzehnten Jahrhundert nehmen die Steinmetzen in der Dombauhütte eine bevorzugte Stellung unter ihren Zunftgenossen ein, wie der Zunftbrief vom Jahre 1308 zeigt.

(Fortsetzung folgt.)


Unverstanden.
Alle Rechte vorbehalten.
Von W. Heimburg.
(Schluß.)

„Zuerst sah ich nichts; denn mein Auge konnt' sich nicht gewöhnen an die Dämmerung da innen, aber dann – Johannes! Wie bin ich nur herunter gekommen von dem Fenster, und zu dem Bänklein, wo ich mich hernach wieder fand!

Mein Weib – und mein Freund! Er lag auf den Knieen vor ihr, die im Sessel ruhete, hatte ihre Hände gefasset und den Kopf darüber gebeuget – kein Hauch, kein Laut, der sie störete in dem einsamen Hause! Der das Recht dazu gehabt, war ja tief im Walde. Da faßte mich ein finsteres böses Wesen; ich riß das Gewehr von meiner Schulter und legete an auf das Fensterlein, aber dann warf ich jenes weit von mir und barg den Kopf in meine Hände, und die finstersten Stunden meines Lebens senketen sich über mich.

Erst spät ging ich in mein Gemach und lauschte auf ihre Tritte – was ich mit ihr beginnen wollte, war mir selbst nicht klar, ein Zorn hatte mein Herz erfasset, eine Verachtung, daß ich sie mit dem Fuße hätte hinwegstoßen mögen, wie einen Hund. Und endlich hörte ich sie kommen; die Thür des Zimmers that sich langsam auf, und sie stand auf der Schwelle, so schlank, so süß, wie nur jemals; verweint und bleich schritt sie zu mir herüber, und vor mir stehen bleibend, sank sie zu Boden. „Heinrich! Heinrich!“ klang es in mein Ohr, und ihre gefalteten Hände reckten sich empor zu mir. Was sie noch sonsten sagte, verstand ich nicht; die Worte erstarben auf ihren Lippen.

Da sprang ich auf in wildem Zorne und riß sie jäh empor; mit festem Griffe packte ich ihre Hand und führete sie hinaus aus dem Gemache durch die Halle, über die Schwelle meines Hauses. Willenlos folgete sie mir, nur ein schier vergehender Blick brach aus ihren Augen, wie der eines todtwunden Rehes.

Ich sagte nichts und deutete nur mit der Hand den Weg entlang, aber nun verstand sie mich; hoch und stolz hatte sie sich aufgerichtet, das schöne Haupt in den Nacken zurückgeworfen – so stand sie vor mir, als wär' nicht sie, sondern ich schuldig. Ihre Lippen bewegten sich, als wollt' sie sprechen; dann wendete sie sich mit fast verachtungsvoller Geberde und schritt in den dämmernden Abend hinaus – und als sie mir entschwunden, da warf ich das Gewehr über und im wilden Schmerze lief ich die Nacht im Walde umher.

Als ich nach Hause kam im Morgennebel, hatte ich nur den einen Wunsch, sie möge wiedergekehrt sein, schuldig oder nicht; ich lag zu tief in des unseligen Weibes Fesseln. Jobst aber berichtete mir erschreckt, die Frau sei über Nacht nicht daheim gewesen, also daß ich bitter auflachte: „sie wird ein Obdach wohl gefunden haben.“ Doch im selbigen Momente sprengte ein Reiter daher, und ich erkannte an dem isabellenfarbigen Rosse Prinz Christian; da warf ich Jobsten mein Gewehr zu, auf daß kein Unglück geschehe, stemmete meine Hände in die Seiten und sah ihn finster herankommen.

Er streckte mir die Hand entgegen; das Haar hing ihm verworren um die Stirn; unordentlich saßen ihm die Kleider, und bleich und überwacht sah er aus, wie Jemand, der in schwerem Leid die Nacht durchsorget oder sie durchschwelget hat.

„Ich habe mit Dir zu reden, Heinz,“ sagte er tonlos und schwang sich vom Pferde.

„Was zwischen uns zu reden ist, vermag nur ein eiserner Mund,“ entgegnete ich. Er stutzte und sah mich forschend an.

„Ich meine, Du verstehst mich falsch, Heinz; ich will für Dein Weib sprechen –“

Da lachte ich gellend auf. „Mein Weib? Ich wüßte nicht, daß ich annoch eines hätte, und daß ich eines besaß, hab' ich vergessen.“

„Um des Himmels willen, Heinrich!“ schrie er entsetzt, „was soll dieses Gerede? Wie siehst Du aus? – Wo ist Friederike?“

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1880). Leipzig: Ernst Keil, 1880, Seite 638. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1880)_638.jpg&oldid=- (Version vom 31.7.2018)