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als das wirklich Erreichbare; denn stets erreichen wir weniger, als wir erstreben, und um unsere Freiheit wäre es heute ohne Zweifel schlimm bestellt, wenn nicht einst der donnernde Ruf der republikanischen Kämpfer unser Vaterland durchhallt hätte. Von diesem Standpunkte aus würdigen wir heute den ehemalige Liebling des deutschen Volkes, und scheuen uns nicht, wiewohl unser altkluges Geschlecht in der Zeit der Denkmalswuth dem Vertreter des „naiven Republikanismus“ keine Standsäule errichten wird, einen Immortellenkranz dankbarer Erinnerung auf Hecker's frisches Grab niederzulegen.

Friedrich Hecker wurde am 28. September 1811 zu Eichtersheim in Baden geboren, in dem Lande, welches lange Zeit hindurch für die Wiege deutscher Freiheitsbestrebungen galt. Auf der Hochschule zu Heidelberg bildete er sich zur juristischen Laufbahn heran und wurde schon im Jahre 1842 in die badische Kammer gewählt. Hier verdiente er sich die ersten Sporen, indem er das reactionäre Ministerium Blittersdorf[WS 1] stürzen half; in derselben Kammer protestirte er auch zuerst gegen Dänemarks Uebergriffe in der schleswig-holsteinischen Frage, und - wohlgemerkt! - war diese seine Rede die erste öffentliche Stimme in Deutschland, die sich für die Wiedervereinigung der Herzogthümer vernehmen ließ. In Süddeutschland hatte schon damals sein Name einen guten Klang; populär in ganz Deutschand wurde er aber erst im Jahre 1845, als er während seines vorübergehenden Aufenthaltes in Berlin durch die preußische Regierung aus Preußen ausgewiesen wurde, welche bureaukratische Maßregel allgemeines Staunen und allgemeine Entrüstung hervorrief. Bald aber sollte er auch von seinen näheren Gesinnungsgenossen Spott und Hohn genug ernten. Als im Jahre 1846 die letzte große Hungersnoth in Deutschland hereingebrochen war, stellte er in der badischen Kammer den Antrag, jeder wohlhabende Mann solle einige arme Arbeiter an seinen Tisch nehmen. Dieser menschenfreundliche, aber unausführbare Vorschlag charakterisirte ihn als einen Anhänger der socialistischen Partei, und bis auf unsere Tage ist Hecker hauptsächlich in Folge dessen als Socialdemokrat verspottet und verschrieen worden. Wahr ist es, daß seine Jugendpläne ein wenig von socialistischen Ideen angehaucht waren, aber von diesem feinem Socialismns bis zur wirklichen Socialdemokratie ist ein weiter Weg, den er niemals zurückgelegt hat. Als echter Demokrat bekämpfte er vielmehr im spätere Alter die Hirngespinnste der von Lasalle begründeten anarchischen Partei.

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Friedrich Hecker.
Nach einer photogr. Aufnahme gelegentlich seines letzten Aufenthalt in Deutschland

In erster Linie war Hecker ein reiner Republikaner, und als solcher handelte er auch in der politischen Sturm- und Drangperiode. So stellte er in dem Vorparlament den ultraradicalen Antrag. „Das Vorparlament möge sich in Permanenz erklären“, dessen Annahme allerdings der deutschen Erhebung einen entschiedeneren Charakter verliehen hätte. Als man aber seinen Antrag zurückwies, und als er sogar bei der Wahl in den Fünfziger-Ausschuß durchfiel, zog er sich scheinbar von der ganzen Bewegung zurück. Jedoch schon am 12. April 1848 tauchte er in Konstanz [WS 2] wieder auf und proclamirte die bewaffnete Volkserhebung für eine Freistaatsverfassung. Unterstützt von Struve[WS 3] und Sigel, sammelte er sofort die Freischaaren, und damals entstand auch das bekannte Hecker-Lied:

„Maikäfer flieg’[WS 4]
Der Hecker zieht in Krieg.
Der Struve zieht in's Oberland
Und macht die Republik bekannt.“

Aber die Erhebung war verfrüht. Am 20. April stießen die Freischaaren auf die badischen Regierungstruppen. Zunächst erfolgte auf der Brücke von Kandern eine Unterredung der beiden Führer, Hecker’s und des Generallieutenants Friedrich von Gagern[WS 5], nach welcher bekanntlich Gagern durch einige Schüsse aus dem nahegelegenen Walde getödtet wurde. Hecker hatte zwar keinen Antheil an diesem Frevel, aber die ganze Schwere der Strafe für die Indisciplin seiner Freischaaren traf ihn vor Allem. Nach einem kurzen Gefecht wurde sein Freicorps gesprengt, und Hecker flüchtete sich nach der Schweiz, während sowohl die badische Landeskammer wie das Parlament ihn für einen Hochverräther erklärten. Aber die Sympathie des Volkes blieb ihm erhalten, und nun sang man herausfordernd ein anderes Hecker-Lied:

„Wenn man euch thut fragen,
was macht Hecker doch?
Könnt ihr ihnen sagen. Hecker hänget hoch!
Aber nicht am Galgen, nicht an einem Strick
Sondern an der Spitze uns’rer Republik.“

Inzwischen wurde Muttenz in der Schweiz, wo Hecker nunmehr verweilte und seinen „Volksfreund“ redigirte, ein wahrer Wallfahrtsort für die deutschen Republikaner; auch sein Wahlbezirk Thiengen blieb ihm treu und wählte ihn wieder, die Wahl des Hochverräthers wurde aber als ungültig cassirt, und Hecker, an der Sache der Freiheit verzweifelnd, wanderte nach Amerika aus. Noch einmal rief ihn die badische Erhebung im Jahre 1849 in die alte Heimath zurück. In Begleitung einiger amerikanischer Officiere kam er jedoch zu spät auf den Kriegsschauplatz und beobachtete von Straßburg aus nur noch das Todeszucken der deutschen Revolution. Als er sich zum zweiten Male in Havre nach Amerika einschiffte, schrieb er an einen Freund in Deutschland:

„Mit bitterem Gefühle nehme ich den umgekehrten Griffel und wische zwölf Jahre des redlichen rastlofen Wirkens und Kämpfens aus den Tafeln meines Lebens, um mit achtunddreißig Jahren von vornen zu beginnen und in dem kleinen Kreise eines westlichen Bauern zu wirken und zu schaffen. Das Scheiden wird mir aber leichter, wenn ich das, was ich seit meiner Ankunft auf dem Continent erfahren habe, zusammen nehme. Ich selbst von der Polizei als Vagabund behandelt und fortgejagt, und so lange ich geduldet wurde, nichts hörend, als lediglich Anklagen des Einen gegen den Andern, bin dieses widrig wüsten Treibens, dieser vollkommenen Polizeistaaten so entsetzlich müde, daß ich den Tag glücklich preise, an welchem ich wieder meine Art nehmen und das Waldland klären kann.“

In Deutschland war er inzwischen noch lange der Abgott des Volkes; zwar konnte die Väter nicht mehr ihre Sohne auf den Händen in die Höhe heben und, auf den redenden Tribunen hinweisend,

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1881). Leipzig: Ernst Keil, 1881, Seite 265. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1881)_265.jpg&oldid=3415629 (Version vom 5.8.2018)