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Liste.png Verschiedene: Die Gartenlaube (1893)


Siecher Boden. Der überraschende Ausbruch einer heftigen Choleraepidemie in der Irrenanstalt zu Nietleben bei Halle a. d. Saale hat wieder einmal gezeigt, daß Bacillen trotz aller Vorsicht unbemerkt eingeschleppt werden und, wenn sie günstige Bedingungen finden, ihre verderbliche Wirkung entfalten können, sowie daß der Winter, von dem man Vernichtung derselben erwartete, wenn sie nicht an warmen Orten oder in Häusern ausdauerten, ihnen gerade die Thore öffnen kann. Unbemerkt eingeschleppt, sind sie mit den Abwässern der Anstalt über gefrorene Wiesen, also unfiltriert und nicht durch den Erdboden aufgehalten; in die Saale und aus der unterhalb dieser Wiesen gelegenen Schöpfstelle in die Wasserleitung gelangt. Daß gefrorene Rieselfelder keinen Schutz gegen Wasserverunreinigung gewähren, ist bekannt, und jene Anordnung der Leitung muß deshalb als schwerer Fehler bezeichnet werden, weil dabei die Gefahr der Wasservergiftung durch Zersetzungsstoffe und krankheiterzeugende Organismen stets vorhanden ist, wenn es sich auch gerade nicht um Cholerabakterien handelt. Daß die Filter der Wasserleitung ebenfalls nicht wirkten, mag ein unglücklicher Zufall sein, aber solche Zufälle sollten durch gute Anlagen und sorgfältige Ueberwachung vermieden werden.

Der explosionsartige Ausbruch der Cholera in der ganzen Anstalt läßt ebensowenig wie in Hamburg daran zweifeln, daß nur eine überall verbreitete Ursache, nämlich die centrale Wasserversorgung, ihn verursacht haben kann. Aber auch in Nietleben gerade wie in Hamburg sind bei weitem nicht alle Menschen von der Cholera befallen worden, die sich dieses Wassers bedient haben. Es läßt sich dies schwerlich auf die verschiedene Menge des genossenen Trinkwassers zurückführen, vielmehr ist es im höchsten Grade wahrscheinlich, daß hier wie in unzähligen andern Fällen die Krankheitserreger einer verschiedenen Empfänglichkeit, einer verschiedenen Widerstandskraft begegneten.

Die größere Empfänglichkeit oder verminderte Widerstandskraft kann aus dem Zustand der Verdauungsorgane beruhen. Man weiß, daß der saure Magensaft gesunder Menschen die Bacillen tötet und daß Störungen der Magenverdauung, z. B. durch Diätfehler oder durch Erkältungen, ihnen den Zugang öffnen. Wer jemals als Arzt eine Choleraepidemie durchgemacht hat, wird zahlreiche und unwiderlegliche Erfahrungen in diesem Sinne gesammelt haben: Häufiger indessen sind andere und zwar äußere Ursachen in gleicher Richtung wirksam. Es gehören hierher besonders Wohnungen, die auf einem Boden stehen, der entweder von alters her unrein ist (Sumpfboden) oder durch Einströmungen reich wurde an organischen, fäulnißfähigen Stoffen.

Schmutz und Unreinlichkeit wirken in gleicher Richtung, so daß der Hamburger Physikus Dr. Reincke ausdrücklich sagt, es seien nicht nur die reichen Leute frei geblieben, sondern alle reinlichen hätten sich eines großen Schutzes erfreut, und auch die an Reinlichkeit gewöhnten einheimischen Arbeiter hätten denselben Vorzug genossen gegenüber den unreinlichen Arbeitern aus dem Osten.

Unredlichkeit und Unachtsamkeit können also die Uebertragung des Ansteckungsstoffes begünstigen; aber zahlreiche Erfahrungen bei Ortsepidemien haben gezeigt, daß der Einfluß des Bodens und der Wohnung durch Reinlichkeit und Wohlhabenheit nicht überwunden wird. Immer wieder finden wir bei wiederholten Epidemien dieselben Straßen und Häuser vorzugsweise heimgesucht. Und wenn in Nietleben ein Theil der Anstalt besonders gelitten hat, der auf ungesundem Boden steht und auch durch andere Krankheiten seinen nachtheiligen Einfluß gezeigt hat, so erinnert dies an das ganz ähnliche Auftreten der Cholera in der bayerischen Strafanstalt Laufen im Jahre 1873, für die Pettenkofer den ungünstigen Einfluß des durch Abortinhalte verunreinigten Bodens ganz unbestreitbar nachgewiesen hat. Dieser Einfluß des Erdbodens ist nicht so zu verstehen daß die Cholera- oder andere Bacillen in ihm eine günstige Entwicklungsstätte finden und aus ihm in die Lufträume der darüberstehenden Wohnungen emporschweben, denn solche Verbreitungsweise der Kommabacillen widerspricht allen Thatsachen. Es ist vielmehr nur möglich, daß die Ausdünstungen des ungesunden Bodens als Luftströmungen in die wärmeren Häuser emporsteigen und die Widerstandskraft her Bewohner so schwächen, daß sie der auf anderen Wegen zu ihnen gelangenden Ansteckung wie den Gefahren der Krankheit leichter erliegen als andere, in gesunden Wohnungen hausende Menschen.

Diese neuen Erfahrungen bestätigen die alte Lehre, daß Schmutz in, unter und neben den Wohnungen die Gesundheit schädigt und Krankheiten nährt, und daß es also eine überaus wichtige Aufgabe der öffentlichen wie der privaten Gesundheitspflege ist, nicht nur für reines Trinkwasser, sondern auch für Reinheit der Wohnungen und ihres Untergrundes zu sorgen. Das ist, wie immer wieder gesagt werden muß, nicht durch Ausschütten von sogenannten Desinfektionsmitteln, sondern nur durch zielbewußte Gesundungsarbeiten und stete Reinlichkeit zu erreichen.

Dr. Fr. Dornblüth.






Ursprung des Maßes Pferdekraft. Die Leistungen der Maschinen werden nach Pferdekräften gemessen. Man hat sich in der Technik dahin geeinigt, daß eine Pferdekraft 75 Kilogrammmeter betrage, also einer Kraft gleichkomme, die imstande sei, in einer Sekunde 75 Kilogramm einen Meter hoch zu heben. Es ist bekannt, daß dies kein Pferd der Welt auf die Dauer fertig bringen kann. In den Gruben von Anzin hat man die Leistungen lebender Pferde während der Dauer eines Jahres an 250 Thieren geprüft, und aus diesen sorgfältigen, unter natürlichen Bedingungen ausgeführten Messungen ergab sich als wirkliche Pferdekraft etwa ein Drittel der maschinellen, d.h. 27,8 Kilogrammmeter.

Wie es nun kam, daß eine so große Ueberschätzung stattfinden konnte, wird erklärt durch folgende Mittheilung aus dem Leben Watts, des Begründers der Dampfmaschinenindustrie. Watt sollte eine seiner ersten Dampfmaschinen in der Brauerei Witbread aufstellen: die Maschine sollte ein Göpelwerk zum Wasserheben ersetzen und ebensoviel leisten wie die Pferde des Brauers, die bis dahin das Göpelwerk getrieben hatten. Zu diesem Zwecke stellte der Brauer die Leistung seiner Pferde in der Weise fest, daß er sein kräftigstes Pferd nahm und es acht Stunden lang arbeiten ließ. Er schonte es an diesem Tage durchaus nicht und nutzte es durch reichliche Peitschenhiebe im höchsten Grade aus. So kam jene Leistung zustande, daß in acht Stunden 2120000 Kilogramm Wasser einen Meter hoch gehoben wurden was 73,6 Kilogramm für die Sekunde ausmachte, und das war die Grundlage für die Berechnung der Pferdekraft, die später auf 75 Kilogrammmeter abgerundet wurde.

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Kleiner Briefkasten
(Anfragen ohne vollständige Angabe von Namen und Wohnung werden nicht berücksichtigt.)



F. R. in Nußloch, Baden. Es freut uns herzlich, daß zu den Hunderten, die uns in den letzten Jahren von ihrem ununterbrochenen 25jährigen Festhalten an der „Gartenlaube“ in Kenntniß gesetzt haben, immer neue Freunde von solcher Treue treten. Liegt ja doch darin eine Antwort auf unser Streben, die „Gartenlaube“ unseren Lesern zu einem Hausfreund zu machen, dem die Zuneigung gewahrt wird in guten wie in bösen Tagen trotz aller „Stürme, Leiden und Widerwärtigkeiten“, von denen Sie schreiben. Empfangen Sie unseren Dank und die Bitte, uns auch ferner Ihr Wohlwollen zu erhalten.

H. W. in Göttingen. Vergleichen Sie gefälligst den Jahrgang 1878.

E. Freund. in Rotenburg i. H. Wir haben Ihnen unter obenstehender Adresse auf Ihre Anfrage bereits am 24. Januar brieflich geantwortet, aber der Brief kam als unbestellbar zurück. Ihr Vorwurf fällt daher auf Sie zurück.





^nhact. Freu; Bahni Nomall bo.^. W^ l8. Fortsetzung). ^. wo. Teutsche ^rtgtnaicharaktere des achtzehnten Jahrhunderts. Bon Nudvif von Goitschall^ Konrad l^ ..... wi.. ..... Wasserrose. Btid. ; ...^ 1^. Tas neue ioaus des deutschen Netchstages. Bon ^tto Neumann-Hofer. i^. wll. ^lnt Abbildungen i^. 1^, r.la 1.ch r.^t und r;.5 ^ Ena .. t^in)

Ehestandstragödie in Briden. Bon Ernst Wichert. i.^. 1^i. Blätter und Biüthen . siecher Boden. ^. w8. ... ursprung des ^liaßes ^ferdekraft“. ^. 1,t^ ..^ Kleiner Briefkasten' i^ i.^

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„Garteiilaube“ fiud entweder ganz vergriffen oder nur noch antianarisch zu l.I.h^hfeln ^ejf^ zu beziehen. Die meisten Buchhandlungell nehmen Beftellnligen entgegen. Wo der Bezng alif Hinderiiiffe stößt, wende man sich direkt an die

^ ^er.t^handlnn^. ^n^t ^eit^ .^äch^ol.ger m I^eip^.

n unter verautwortlicher Nedalttou von Aootf llrroner, vertag von lernst ^retl^s ^ltattnotger m Le.pz^g. Truet von l.l. .t^tede in Leipzig.

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die Gartenlaube (1893). Leipzig: Ernst Keil, 1893, Seite 148. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1893)_148.jpg&oldid=- (Version vom 4.11.2016)