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Wer sich daher schwerer Sünde schuldig wußte , den stießen sie deshalb nicht etwa zurück, sie gestatteten ihm vielmehr, seine Schuld und Reue zu ergießeu in das Herz eines Bruders oder zweier, oder eine Niedersrhrist seiner Lebenswerke anzufertigen und in die Häude der Gemeindeältestelt niederzulegen, auf daß diese dann danach thäten, wie ihnen gut dünkte.

Nicht, daß dem Oberjägermeifter an diesem Ausschluß über das Weseu eines Hänsleins standrischer Onietisten viel gelegen ge-- wesen wäre; er hatte denselben in der Schrat gesnnden, ohne ihn zu suchen. Die Blätter aber, wohl eingehüllt, blieben in dieser Nacht ueben feinem Vette liegen, und cfuer über die Rolle hatte er seine lange Reiterpiftole gelegt.

Am anderen sorgen bei guter Zeit knöpfte Nievern die Papiere in sein Wams und begab sich hinüber in das Hauptgebäude des Refidenzschtoffes, wo er sich bei der Frau von semuville melden ließ Diese Dame war, trotz der frühen Stunde, doch schon zu der Hoheit besohten gewesen, kam eben von dort zurück und hatte sonderbare Dinge erfahren. Nicht, daß sie Neuigkeiteu gehört hätte - nur ihre Kenntniß von dem Charauer der kleinen Pfalz-- grästn war um eine merkwürdige Erfahrung bereichert worden. Sie hatte Frau Sabine Eteonore in felten gesehener Allsregung gesuuden. Und warnm? Weil die Psalzgrästll nun auch wußte, was ihre Dienerschau schou seit zwei Tagen dnrchschwatzte: der Herr von Nievern sei aus der Jagdkämmerei gewesen und habe dort revi- diert und resolviert wie einer, der einen Abschloß seiner Geschäste voraussehe. Weiter nichts. Aber das zeigte ihr, daß er wirklich daran denke, seinen Abschied zu erhalten oder zu nehmen, daß er, mit anderen Worten, Ernst mache. Und nun war die Psatzgrästn außer sich. Die seuiuville hatte ein Uuwetter über sich ergehe lasseu müssen, einem Apcklsehloßensturm pergleichbar, welchen ein Wind, der selber nicht zu wissen scheint, was er will, bald aus dieser, bald aus jeuer Ecke herportreibt. Sie war batd scheltend für alles verantworte tich gelllachst bald weinerlich um Rath gesragt worden, ohne daß man beliebte, weder auf ihre ehrfurchtsvolle Vertheidigung noch

auf ihre bescheideutticheu Vorschläge zu höreu. Und endlich hatte

sie sich in einer sehr pointierten Weise sockschicken lassen müssen, da die Obersthosmeisterill eintrat, zu welcher die kleine stirstliche Wetter- sahne mit einem sale heftig herumgeflogen war, der lieben sein- ville dabei den Rückeu wendend.

Aber der Wind konnte ebelifo rasch wieder umspringen; die klnge

Frau von semnpille rechnete so^ werde; sie wußte, die Pfalzgrästn konnte sie jetzt weniger entbehren als je, und legte sich daher ganz ruhig alles zurechkl Ihr war es gar nicht unwahrscheinlich , daß Nieverll in verwegenem Trotz aus seinem Abschied bestehen werde, wenn sie auch eben bei der Pfalzgrästn diese söglichkeit weit weggeworfen hatte. Im Grnnde hätte ihr nichts willkommener sein könllen Sie würde ihn zwar nicht gern aus ihrem Lebellskreis schwinden schell, den sann, der jetzt den Reiz des Haffes und zugleich immer noch einen ganz anderen allf sie ausübte. Aber brauchte er denn das auch - für immer per-

abwinden? Jetzt freilich lnnste er scheitern in allen feinen Plänen,

befonders in dem, der Polygne betraf, War jedoch diese erst völlig aus dem Wege, dann , . . nur Zeit gewiunen, nur Zeit, und alles war noch möglich!

In diefem Angenblick traf die Votschaft, das der Herr Ober-

jägermeister um Gehör bei ihr bitte, die semnpille wie die Ge- währ des Triumphes. Er kam , um ihre Vermittlung bei der Fürstiu uachzufuchen, wozu sonst? Und er kam zu ihr!

Sie zögerte überlegeud. Seheu llud fprechen wollte sie ihn jedenfalls. Aber er sollte diese Gunst schätzeu als etwas, was nicht so ohne weiteres zu erlangen sei. Deshalb schickte sie ihre Zofe, ein Ding, welches bei ihr gelernt hatte, nach Bedarf fremd und von oben herab zu thnn wie die Herrin felber, mit dem Bescheid zu ihm hinaus, Frau von semnpille sei gerade verhindert; ob Herr von Nievern ein wenig verziehen oder fpäter wieder. kommen wolle? Das sädchen kehrte znrück: ja, der gnädige

Herr wolle warten. Dem scharfen Ange der semnpille entging aber nicht , das sie ein wenig verdutzt ausfah. Auf Besragen

ihrer Herriu wußte sie freilich nur zu fagen, der Kavalier habe gelächelt bei der Antwort und gemeinst ob Frau von semnpille etwa bei der Andacht fest Und dann noch etwas: er habe der Dame einen alten Gruß zu bringen, von einem guten Bekannten; dem schade es nichts, wenn er nuu auch noch eine Biertelstnnde älter werde.

Die Worte berührten Frall von semnpille mit einem leisen Mißton, Das mochte aber daher kommen, daß sie wie viele senschen nicht gern unversehens auf die Spuren „alter guter Bekannter“ stieß. Das Vergnügen, weiches die Wiederbelebung des einmal Abgethanen im Menschendasein abwirfst muß wohl in den meisten Fällen sehr fraglich sein. (Fortsetzung solgkl)

^st das Eholeragift eutdeckt.^

Nachdruck verboten, Alle Rechte vorbehalten.

^.lstls Robert Koch im Jahre 1884 in dem ^ommabacillns den

....-.t Erreger der asiatischen Cholera erkannte, da war der Wiffen-- schau die Bahn znr völligen Aufklärung der zahlreichen Räthfel gebrochen, welche das Wesell der gefürchteten Krankheit nmgaben. Eine der wichtigsten Fragen, welche die Aerzte sich porlegten, war: ^ auf welche Art vermag der entdeckte winzige Feind den mensch-- lichen Körper so schwer zu schädigen? Alles sprach dasür, daß er im Darme ein Gut erzeuge, welches die schweren Krankheits- erscheinungen und in so pielen Fällen den Tod bringe, und nil- gesäumt ging man daran, in den zahlreich angelegten Reinkulturen der Cholerabakterien dieses Gift anfznfucheu,

Die Wege für diesell Theil der Forschung warell scheinbar bereits vorgezeichnet, Man wußte, daß verschiedene Bakteriell in dem Nährboden, in dem .sie leben, Giue erzengen, ebenso wie der Hesepilz aus Zucker den giftige Alkohol bildet. Aus totem faulelldeu Fleisch hatte man „Ptomckme“ oder Leichengifte her-- gestellt, die ein Werk verschiedener Fäunlißbakterien waren. und ihrer chemische Znsammellsetzung nach in die Klasse voll Körpern gehören, die schon längst als „Alkaulde“ bekannt sind. Viele Pflanzen erzeuge derartige Gute, wie z: B. aus dem Mohusafte das Morphium gewounen wird. Solche Alkaldl.de fand man auch in Kulturen der Eholerabauerien , aber ihre Wirkung war so schwach, daß sie asts Vernrfacher der schweren Cholerafylllptolne nicht angefehen werden konnten. Man mußte alfo weiter forschen,

Ill der Mitte der achtziger Jahre wurde eine. neue Art von. Gifte entdeckst welche wie Ciweiß zllsammengesetzt sind und die man darum „Toralbumille“, d. h. Eiweißgiste, nallnte. Die Tozulbumine werden ebenfalls voll verschiedenen Bauerun gebildet, und in einer mühevollen Reihe von Versuche wurde erwiesen, daß die Erreger

der Diphtherie und des Wundstarrkrampfes gerade durch folche Stofse das Leben des Menschen bedrohe, Nachdem man so das Diphtherie-- und das Tetallusgift gefunden hatte, glaubte mall, daß auch bei der Eholera die Torulbumine als krankmachende Ursache angesehen werden müßten, und in der That gelallg es, in den Kommabaeineu auch diese Gifte nachzuweisen wieder aber nur in .solchen Meugell und in solcher Beschasfenheit, daß sie keines-- wegs als das eigentliche Choleragift. gelten konnten

Diefes eigenartige Behalten der Kommabacillen bildete einen der Gründe, warnm ein Theil der Forscher bezweifelte, daß dcr Kollllllabaeinlls der eigentliche und alleinige Erreger der Cholera sei. Der Streit der „-Lokausten“ und „Kolltagiollistell“ ist aus der Zeit der letzten Choleraepidemie wohl bekannt. Haben doch Profeffor Pettellkofer und Profeffor Emmerich in süllchen Rein- kuttureu der Kommabacillen getrllnken , um durch einen lebeus- gefährliche Verfnch am eigenen Leibe die vielumftrittelle Frage zu eutscheiden. Aber auch dieser gewagte Versuch brachte nicht die gewünschte Klärung, obwohl er mehr dafür zu fprechen schien, daß der Kommabaciuus in der That dcr Choleraerreger sei.

Nun überrascht Profeffor Emmerich in sünchen die Welt durch neue sittheinlllgen, wetche die schwierige. Frage des Eholera- giftes betreffe..

Wenn weder Aualmde noch To.ralbumue als die krank- macheudeu Stoffe bei der Eholera gelten können, dann müssen es andere StoffwechfelerZeligniffe der Komlnabaeinen sein: so rechnete Emmerich, und er lenkte seine Anfmeckfelmkeit einenl Stoffe zu, den die Kommabaeinen in verhältnißmäßig große sengell zu erzeugen vermögen. Diefer Stoff ift die salpetrige Säure oder deren Verbindungen, die salpetrigfauren Salze oder Nitrite)

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1893). Leipzig: Ernst Keil, 1893, Seite 504. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1893)_504.jpg&oldid=3293372 (Version vom 31.7.2018)