Seite:Die Gartenlaube (1894) 820.jpg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Liste.png Verschiedene: Die Gartenlaube (1894)

Blätter und Blüten

Die Gartenlaube (1894) b 820 1.jpg

Willy Allers im siebenten Jahr.
(Aus: „Freund Allers.“)

„Freund Allers.‟ Das schöne Buch, das unter diesem Titel die bisherige Laufbahn des Zeichenkünstlers C. W. Allers schildert, enthält neben der Darstellung des interessanten Werdegangs, der aus dem anstelligen Hamburger Steindruckerlehrlinge den vielgerühmten Autor der Bilderwerke „Unser Bismarck“ und „La bella Napoli“ gemacht hat, eine gar reizvolle Biographie in Bildern. Aus der reichen Fülle in Allers’ Skizzenbüchern und Kunstmappen sind in bunter Folge Bilder auf Bilder in den Text eingestreut, die alle irgend eine Beziehung zu seinem Leben haben, Bekanntes und ganz Neues, Humoristisches und ernst Ergreifendes, vollendete Meisterblätter und Proben der krakelhaften ersten Uebungen des Allers’schen Zeichenstifts auf den Rändern seiner Schulschreibhefte und Schulbücher. Denn das Talent des kleinen Mannes, dessen frühestes Selbstporträt wir als Probe nebenstehend wiedergeben, regte sich schon zeitig. Und zwar kampflustig und ungestüm, dem lebhaften Temperament entsprechend, wurde damals der Stift geführt, wenn ihn die kleine Hand gegen den derberen Knüttel austauschte, mit dem das Hamburger Hauskind bei seinen Spielen mit nicht minderen Energie auf Sieg und Ruhm ausging, als es später der herangewachsene Künstler mit leichtem Griffel und leichtem Strich so trefflich verstanden bat.

Christian Wilhelm Allers, der heute immer noch nicht das vierzigste Jahr erreicht hat, ist wie so viele Künstler der Neuzeit einer Schicht deutschen Volkstums entsprossen, in der die starken Wurzeln unserer Volkskraft ruhen. Sein Vater stand in Hamburg einer großen „Krämerei“ vor, die in der Großen Bleichen gelegen war, seine

Die Gartenlaube (1894) b 820 2.jpg

Großmama Porth und Schwester Emma.
(Aus: „Freund Allers.“)

Großeltern väterlicher- und mütterlicherseits waren Landleute in Holstein und Lauenburg und lebten in des Künstlers Jugendzeit noch auf der Scholle, die ihre Vorfahren bebaut hatten: die Allers in Dauenhof, die Porths in Brackede. Beide Orte liegen nahe bei Hamburg, und so besaß der kleine Willy mit seiner inniggeliebten Schwester Emma in diesen ländlichen Umgebungen eine zweite Heimat, deren Einflüsse für ihr Seelenleben von höchster Wichtigkeit wurden. Welche Idylle traulichen Familienglücks sich ihm dabei erschloß, deutet das zweite Bildchen an, das wir dem Werke entnehmen; wie sich weiter durch diese Gelegenheit, in früher Jugend die Blicke im Freien zu tummeln, mit den intimen Reizen eines charakteristischen kräftigen Land- und Volkslebens vertraut zu werden, die volkstümliche, gesund realistische Richtung seines Talents herausgebildet hat, tritt aus den Schilderungen Olindas[1] klar und lebendig hervor. Besteht doch der Hauptreiz derselben überhaupt in dem Nachweis, wie sehr der Künstler, dem wir die humorvollen Bildermappen „Die silberne Hochzeit“, „Klub Eintracht“, „Hinter den Kulissen“, „Hamburger Bilder“, „Spreeathener“, „Unsere Marine“ und „Bismarck in Friedrichsruh“ verdanken, zu dem Ausspruch berechtigt ist: „Alle Schöpfungen meines Stifts sind direkt nach der Natur erlebt und gezeichnet und repräsentieren mit den noch kommenden Bildern eine gezeichnete Geschichte meines Lebens und meiner Zeit.“ Ganz besonders aber läßt sich aus dieser durch Kampf zum Glück emporsteigenden Künstlerlaufbahn der Segen erkennen, welchen ein schön entwickeltes Familienleben, der Rückhalt eines traulichen Elternheims, gerade auch dem aufstrebenden Künstler gewährt.


Ein weiterer Vorzug des Buches ist, daß der Verfasser des Textes seinerseits auch es verstanden hat, anschauliche Bilder aus den Lehr- und Wanderjahren des Künstlers zu entwerfen. Der hat dieselben aber noch selbst weiter umrankt mit anekdotischen Arabesken und humoristischen Randglossen im Genre jener Unterschriften, mit denen er die komische Wirkung so mancher seiner Skizzen in den Reisemappen „Die Hochzeitsreise durch die Schweiz“, „Backschisch“, „Capri“, „La bella Napoli“ ganz wesentlich zu steigern gewußt hat. Denn als Olinda, der schon frühe seine Bekanntschaft gemacht und ihn auf seinen ersten Reisen gen Süden begleitet hat, den Plan zu diesem Buch faßte, stellte ihm Allers all seine für den Zweck passenden Briefe an die Eltern zur Verfügung, sowie die Tagebücher von seinen Reisen. Olinda hat diese Quellen reichlich benutzt und vieles unmittelbar daraus entnommen, gewiß nicht zum Schaden des Buchs, denn Allers’ Schreibfeder, wenn sie ins Plaudern kommt, hat eines mit seinem künstlerischer geschulten Zeichenstift gemein: mit wenig scharfen Strichen versteht auch sie es, das Charakteristische zu treffen und zugleich seine jovial humoristische Ausfassung mit zu fixieren. Der Reiz des Unmittelbaren, der seine Zeichnungen in so hohem Grade auszeichnet, ist auf diese Weise auch seinem Lebensbild zuteil geworden. Und interessant ist dasselbe auch dem Stoffe nach: die Familienerinnerungen, die Hamburger Lehrjahre, die Karlsruher Akademikerzeit, das Freiwilligenjahr in der Marine, die mancherlei Irrungen, die der Erkenntnis seines eigentlichen Berufs vorausgingen, vereinigen sich zu einem anziehenden Lebensbild. Den Schluß des im Verlag der Union (Stuttgart) erschienenen Bandes bildet die Schilderung der herrlich gelegenen Villa auf Capri, die sich Allers vom Ertrag seiner vielgewandten und vielgewanderten Kunst neuerdings erworben hat. Von dort auch ist der lustige Brief an Olinda datiert, welcher dem Ganzen als Vorwort vorangestellt ist und in welchem es heißt: „Zuerst war’s mir etwas fatal, durch Dich so in die Tinte zu geraten. Im allgemeinen wird man ja erst nach dem Tode für die Leihbibliotheken einbalsamiert, aber für einen Band habe ich schon genug Stoff zusammengelebt und ich hoffe, es noch lange genug mitzumachen zu einem fidelen „Fortsetzung folgt.“

Glück auf den Weg! J. Pr.


Auf Besuch. (Zu dem Bild S.817.) Wie lange mögen sie sich nicht mehr gesehen haben, die zwei Freundinnen, deren Heimat das schöne Innthal scheidet! Von Alpbach ist darum die Bevi eines schönen Sonntags heruntergestiegen nach Brixlegg und drüben wieder hinauf nach dem herrlich gelegenen Brandenberg. Und da hat sie denn auch die Zenz glücklich daheim getroffen in der sauberen Bauernstube, von der der ungeheure Kachelofen fast ein volles Vierteil beansprucht, und sie haben sich miteinander auf die Ofenbank niedergelassen, um sich gegenseitig alle Neuigkeiten der langen Trennungszeit so recht gründlich und behaglich auseinanderzusetzen. Zur Seite auf dem derben Stuhl liegt das Bündel mit dem eigenartigen Tressenhut der Alpbacherin, der handfeste Regenschirm lehnt daneben, des Wiederausbruchs gewärtig. Lange wird das behagliche Zwiegespräch der beiden Dirndln nicht mehr dauern können; schon geht die Uhr auf fünf, und der Heimweg ist weit. Aber thalab und bergauf wird unsre Bevi das Lächeln nicht von ihrem frischen Gesicht verlieren, denn was sie gehört da drüben bei der Vertrauten, das giebt ihr reichlich Stoff zu fröhlichen Gedanken.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Alexander Olinda ist ein Pseudonym von Reinhold Schmidt (1838–1909), Schriftsteller und Redakteur (Hamburger Nachrichten u.a.)
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die Gartenlaube (1894). Leipzig: Ernst Keil, 1894, Seite 820. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1894)_820.jpg&oldid=3294366 (Version vom 31.7.2018)