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auf deren Trümmern sie gelegen ist; dann in der Mitte ein Gartendickicht mit einer Marmorstatue; auf den Flächen des Mauerwerks sind die Aussichten dargestellt, deren man von oben einerseits auf die Ruinen des alten Rom, andrerseits auf den Janiculus geniesst. – In seiner Ansicht der Villa Malta lässt uns der Maler über einen Springbrunnen hinweg die Peterskuppel sehen. Beide Bilder umfangen die Seele dessen, der Rom kennt, mit dem vollen Zauber, der sich an die Erinnerung dort genossener seliger Stunden knüpft.

Ein trefflicher Künstler von tüchtiger Begabung und emsigem Streben, Heinrich Hess, der sich durch sein „Abendmahl“ im St. Bonifaziuskloster zu München sicher bei der Nachwelt in ehrender Erinnerung behaupten wird, ist in meiner Sammlung durch ein ausgezeichnetes Bildnis Thorwaldsens vertreten. Dieses Porträt zeugt von erfolgreichem Studium ebenso der alten Florentiner, wie des Holbein, und ich glaube, dass man es zwischen gute Porträts der alten Meister hängen könnte, ohne dass der Vergleich ihm zum Nachteil gereichen würde.




IV.


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Auch schon zu den Toten eingegangen ist ein Maler, von dem meine Galerie eine beträchtliche Anzahl Gemälde aufzuweisen hat, die zu ihren besonderen Zierden gehören. Meine Aufmerksamkeit auf Anselm Feuerbach ward zuerst erweckt, als ich die Kunstausstellung zu Köln (irre ich nicht, im Jahre 1862) besuchte. Dort erregte ein mit seinem Namen bezeichnetes Oelbild: „Dante mit edlen Frauen bei Ravenna lustwandelnd“ meine Bewunderung in solchem Grade, dass ich für die übrige Ausstellung kaum noch Sinn hatte. Es erschien mir wie ein Phönix unter allen anderen Bildern; ich kehrte immer wieder zu demselben zurück und wünschte lebhaft, es in meinen Besitz zu bringen. Leider war dies nicht möglich, da es schon einen Eigentümer hatte; aber ich beschloss sogleich, mich mit dem Urheber eines so vorzüglichen Werkes in Verbindung zu setzen. Dass mir der Name Feuerbach ganz unbekannt war, schrieb ich beschämt meiner Unwissenheit zu. Ich sagte mir, ein solches Werk könne kein Erstling sein, und Derjenige, der es geschaffen, müsse längst in der Kunstwelt Aufsehen gemacht haben. Bald aber ward ich dahin aufgeklärt, Anselm Feuerbach lebe zu Rom in der gedrücktesten Lage; seine Arbeiten würden vom Publikum kalt aufgenommen und kaum ein anderes derselben, als der Dante, habe einen Käufer gefunden. Dass der Grossherzog von Baden diesen erworben, war fast die einzige, dem jungen Künstler gewordene Auszeichnung gewesen. Aber Neid oder Unverstand derjenigen Persönlichkeiten, welche zu Karlsruhe die massgebenden in Kunstangelegenheiten waren, hatten ihn verfolgt; ein ihm verliehenes Stipendium wurde bald wieder zurückgezogen, und sein Dante für unwürdig erklärt, in der Kunsthalle der badischen Hauptstadt, die so viel Mittelgut aufweist, Platz zu erhalten. Man kann sich kaum darüber wundern, dass der Schöpfer der Hussbilder kein Organ besass, um das hohe Talent eines Feuerbach zu würdigen. Ich beschloss, unter diesen Umständen mein möglichstes zu thun, um den jungen Maler mit neuer Schaffensfreudigkeit zu erfüllen und ihm zur verdienten Anerkennung zu verhelfen. Meine Verbindung mit ihm ward durch Vermittelung seiner damals in Heidelberg lebenden Stiefmutter Henriette Feuerbach angeknüpft. Der Name dieser Frau sollte nicht anders