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In Auerhammer werden gegenwärtig etwa 500 Arbeiter und Beamte beschäftigt und mehr als 500 Pferdekräfte (Wasser und Dampf) sind zum Betrieb der zahlreichen, Tag und Nacht laufenden Maschinen erforderlich. Die hauptsächlichsten Erzeugnisse sind: Argentan, (Neusilber, Nickelin, Alpacca, Pakfong), Messing, Tombak (Auran, Criso, Crisokal) Aluminium, Aluminiumbronze, Phosphorbronze etc. in Blechen, Scheiben, runden und façonnierten Drähten, sowie in Barren und Formguß und als Specialitäten u. a. federhart gewalzte Bleche zu Harmonikastimmen, Bleche und Façondrähte für die Uhren- und Uhrengehäuse-Fabrikation, Thermotan- und Rheotandrähte zu elektrischen Leitungswiderständen (Stromregulatoren), Patronenhülsen-Hütchen etc. etc.

Da es sich die Besitzer der Werke seit jeher zur Aufgabe gemacht haben, stets das Beste und Vollkommenste zu liefern, so sind alle diese Produkte sehr begehrt, und das Absatzgebiet erstreckt sich über alle Kulturstaaten der Welt, auch wurden die Werke vielfach auf Welt- und Fach-Ausstellungen durch erste Preise, Verdienstmedaillen etc. ausgezeichnet.

Die Grünthaler Kupferhütte wurde im Jahre 1537 von einem Annaberger Bürger namens Hannß Lienhard angelegt, im Jahre 1567 brachte Kurfürst August dieselbe in seinen Besitz, und das Werk blieb Eigentum des sächsischen Staates bis es 1873 von Herrn Kammerrat Lange angekauft wurde; er sowohl als auch namentlich die obengenannten jetzigen Inhaber vergrößerten die Werke wesentlich und richteten sie der Neuzeit entsprechend ein, sodaß sie jetzt zu den hervorragendsten Etablissements dieser Branche zählen. Es werden dort etwa ebensoviel Leute beschäftigt wie in Auerhammer und die maschinellen Einrichtungen, mit mehr als 500 Pferdekräften, sind noch umfangreicher. Die wichtigsten Erzeugnisse sind: Kupfer, Messing, Tombak und Bronzen in Blechen und Drähten in diversen Qualitäten und Formen, speziell geschmiedete Kupferschalen, Braupfannen-Böden, Feinkupfer für Plaqué-Zwecke, kupferne Dach- und Badeöfen-Bleche, Kupferstechplatten, Lötkolben, chemisch reiner Kupferdraht für elektrotechnische Zwecke, Kupfer-Draht, Seil, Netzband und Erdplatten, sowie im Feuer vergoldete Spitzen zu Blitzableitern, Kupferbespinndrähte für Klaviersaiten, kupferne Geschoßbänder, Medaillen- und Münzkupfer, Phosphorbronzebleche, Phosphorbronzedrähte und Messingdrähte für die Gewebefabrikation, Instrumenten-Messingblech etc.

Das Etablissement „Schweinitzmühle“, wo gegenwärtig mit ca. 300 Leuten und ungefähr 300 Pferdekräften gearbeitet wird, wurde, nachdem das Anwesen mit der vorhandenen Wasserkraft im Jahre 1883 käuflich erworben worden war, von Herrn Albert Lange erbaut, mit den besten Maschinen versehen und in jeder Hinsicht zweckentsprechend eingerichtet. Von dort aus wird in erster Linie Österreich versorgt.

Niederlagen haben die Werke in Berlin C., Seydelstraße 14; Klingenthal i. Voigtl.; Wien VII, Westbahnstraße 5; Paris, Boulevard Voltaire 1; Biel, Kanton Bern, (Schweiz); Prag, Heuwagsplatz 9.

Im Jahre 1877 geruhte Se. Majestät König Albert die Werke in Grünthal zu besuchen und in Augenschein zu nehmen, und 1880 wurde die gleiche hohe Ehre dem Etablissement in Auerhammer zu teil.

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die Groß-Industrie des Königreichs Sachsen in Wort und Bild. Erster Theil. Eckert & Pflug, Kunstverlag, Leipzig 1892, Seite 61. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gro%C3%9F-Industrie_des_K%C3%B6nigreichs_Sachsen_in_Wort_und_Bild_Teil_1.pdf/77&oldid=- (Version vom 23.2.2020)