Seite:Die Groß-Industrie des Königreichs Sachsen in Wort und Bild Teil 2.pdf/17

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Einleitung.

Sachsen ist das Herz Deutschlands. Mitten in dem Körper des Reiches gelegen, ist es auch der Mittelpunkt der industriellen und gewerblichen Bestrebungen geworden, und in ihm strömt zusammen, was der erfinderische Menschengeist auf dem Gebiete industrieller und gewerblicher Thätigkeit ersinnt. Es gibt keinen Zweig deutscher Industrie, der nicht auch in unserm Vaterlande grünte und Früchte trüge. Eine Städteschau unseres engeren Vaterlandes, die wir im Nachstehenden geben wollen, wird dafür einen ehrenvollen Beweis erbringen. Sachsen ist immer ein Haupt-Industrieland der Welt gewesen, aber auch Handel und Verkehr, Berg- und Hüttenwesen, Schiffahrt und Fischerei, Landwirtschaft und Forstwesen standen zu allen Zeiten in unserem engeren Vaterlande in hoher Blüte. Die letzte, große Berufszählung stellte in Sachsen von 3 502 687 Einwohnern für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Tierzucht und Gärtnerei 292 888, für Handel und Verkehr 130 894, für häusliche Dienste und Lohnarbeit wechselnder Art 25 140, für Militär-, Hof-, bürgerlichen, kirchlichen Dienst, sowie freie Berufsarten 67 317, für Berg- und Hüttenwesen, Baugewerbe und Industrie aber 724 513 Berufsangehörige fest, und unter den letzteren entfielen allein über 600 000 Mann wieder auf die eigentliche Industrie. Man sieht also, daß die Industrie, die schon im Mittelalter sich in Sachsen einen größeren Namen errungen hatte, in ganz bedeutender Weise die anderen Berufszweige überwiegt. Den wichtigsten Teil derselben bildet bekanntlich die Textilindustrie. Von 100 erwerbsfähigen Personen kommen in Sachsen allein auf die Textilindustrie 18,37, im ganzen Deutschen Reiche aber nur 4,83. Es gibt keine Gegend im Sachsenlande, wo nicht mehr oder minder die Textilindustrie Boden gefaßt hätte. Im Tiefland wie im Gebirge ist sie zu Hause, wenn sie auch in einzelnen Teilen des Landes ihre Hauptniederlassungen zu verzeichnen hat.

Wenn wir die Städte Sachsens mit Rücksicht auf ihre industrielle und gewerbliche Thätigkeit überschauen wollen, so ist es das zweckmäßigste, sich an die politische Einteilung des Landes zu halten und die einzelnen Kreise für sich zu betrachten. Wir beginnen mit der Kreishauptmannschaft Leipzig. Leipzig, die alte Sorben-Wenden-Stadt, am Zusammenfluß der weißen Elster, Pleiße und Parthe, ist eine der wichtigsten Handelsstädte Deutschlands schon in alter Zeit gewesen und hat sich diesen Charakter

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die Groß-Industrie des Königreichs Sachsen in Wort und Bild. Zweiter Teil. Eckert & Pflug, Kunstverlag, Leipzig 1893, Seite 1. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gro%C3%9F-Industrie_des_K%C3%B6nigreichs_Sachsen_in_Wort_und_Bild_Teil_2.pdf/17&oldid=- (Version vom 23.2.2020)