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schlanke Gefreite sich nicht weiter aus, wie er überhaupt mehr für Taten als für Worte war.

Plautsack sah die Gestalt des jungen Kameraden mit recht gemischten Gefühlen oben in der Dunkelheit verschwinden. Die Öffnung zeichnete sich gegen den sternenklaren Himmel als ein runder, blaugrauer Fleck ab, den Blenkners Körper für eine Weile fast völlig verdeckt hatte. Nun war nur noch eines seiner Beine oben wie ein schwarzer Strich zu sehen, nun hörte auch das Nachfallen des losen Erdreichs auf. Der Gefreite hatte also die Sohle der Schlucht glücklich erreicht. – Ob er aber auch von seinem gefährlichen Gange ebenso wohlbehalten wiederkehren würde …?! – Plautsack hatte in dieser Beziehung recht ernste Bedenken. Und unwillkürlich blickte er zu den Sternen empor, über denen ein gütiger, gerechter Schöpfer thronte, der schon dafür sorgen würde, daß der kleine Kamerad keiner französischen Kugel zum Opfer fiel.

Der Schlachtenlärm war inzwischen fast vollkommen verstummt. Nur hin und wieder dröhnte ein einzelner Kanonenschuß in der Ferne, oder knatterten ein paar Gewehre. Es schien, als ab die Gegner nach dem furchtbaren Ringen der letzten Stunden erst wieder Kräfte zu neuer Vernichtungsarbeit sammeln müßten. –

Plautsack wurde die Zeit bald lang. Er hatte sich auf den Boden der Höhle gesetzt und verfiel schließlich in eine Art Halbschlaf, der infolge der ungewohnten Aufregungen fast einer Betäubung glich.

Dann fuhr er plötzlich empor, schlug wild mit den Armen in der Schlaftrunkenheit um sich. Irgend etwas hatte sein Gesicht recht unsanft berührt, – etwas Hartes, Spitzes, und auch seine zur Abwehr umherfuchtelnden

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Die Höhlen von Saint-Pierre. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_H%C3%B6hlen_von_Saint-Pierre.pdf/21&oldid=- (Version vom 31.7.2018)