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– „Wer weiß, ob die Verhältnisse morgen für mein Vorhaben so günstig sind wie jetzt“, sagte er in seiner bestimmten Art.

Tatsächlich brach er dann gegen ein Uhr nachts abermals auf. Wieder mußte Plautsack unterhalb der Öffnung aufpassen, um die Bündel in Empfang zu nehmen. Alles schien auch wieder ohne ernsten Zwischenfall abgehen zu wollen. Schon hatte der Gefreite vier Pakete der verschiedensten Sachen an einem Spanndraht eines der Flugzeuge hinabgelassen, als der dicke Musketier oben in der Schlucht lautes Laufen hörte, gleich darauf Schüsse und wütendes Geschrei.

Es war, als ob dieser Lärm plötzlich das Zeichen zur Wiederaufnahme des erbitterten Kampfes an dieser Stelle der Front gegeben habe. Artillerie-, Gewehr- und Maschinengewehrfeuer schwoll in wenigen Minuten zu äußerster Heftigkeit an. Granaten, jetzt aber deutsche, schlugen in die Schlucht ein. Wieder erzitterte und gähnte die Höhlendecke unter den Explosionen der schweren Geschosse, wieder hatte der dicke Musketier den Eindruck, als sei da oben der jüngste Tag mit allen Schrecken des Weltgerichts angebrochen. Wie versteinert stand Plautsack da und stierte zu dem Stückchen Nachthimmel empor, das durch das Loch sichtbar war. – Armer Blenkner, armer wackerer Junge, dachte er, so hat Dein Wagemut Dich doch das Leben oder zum mindesten die Freiheit gekostet!

Aber dieses Bedauern war verfrüht. Mit einem Mal tauchten über dem ängstlich Harrenden zwei Beine auf, denen zugleich mit einer Masse herabpolternder Erde Blenkners schlanker Körper folgte.

„Da bin ich wieder“, meinte der Gefreite, sich den

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W. Belka: Die Höhlen von Saint-Pierre. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_H%C3%B6hlen_von_Saint-Pierre.pdf/24&oldid=- (Version vom 31.7.2018)