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Zu Beginn der sechsten Woche traten dann zwei Ereignisse ein, die für die Bewohner der Saint-Pierre-Höhle die Quelle großer Sorge und nur zu berechtigter Aufregungen wurden.

Der blonde Postbeamte erkrankte, bekam starkes Fieber und verlor bereits am zweiten Tage das Bewußtsein, lag nun völlig teilnahmlos da und mußte von seinen Kameraden wie ein kleines Kind gepflegt und gewartet werden. Am Abend dieses zweiten Tages nach den ersten Anzeichen von Balders Erkrankung hatte dann der Gefreite eine der Acetylenlaternen mitgenommen und war, um nochmals nach einem Ausgang aus der Grotte zu suchen, in jene Seitenhöhle eingedrungen, die ebenfalls nach Westen zu verlief und sehr bald vor dem breiten, tiefen Schlunde endigte, bis zu dessen anderer Seite nicht einmal die Lichtstrahlen der hellbrennenden Acetylenlampen hinüberreichten. Als Blenkner gerade durch Hineinwerfen von Steinen die Tiefe dieses Abgrundes feststellen wollte, drangen plötzlich Stimmen an sein Ohr, und zwar waren es französische Worte, die er ganz deutlich verstand.

Sofort löschte er seine Laterne aus und duckte sich hinter ein paar Felstrümmern zusammen. Gleich darauf tauchte jenseits des Schlundes auch schon ein blendend weißer Lichtkegel auf, der nur von einem tragbaren elektrischen Scheinwerfer herrühren konnte. Der Gefreite erkannte dann zwei französische Offiziere und vier Soldaten, die drüben hinter einer Biegung der Fortsetzung der Höhle aufgetaucht waren und nun dicht am Rande des Abgrundes in eifriger Unterhaltung haltmachten.

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Die Höhlen von Saint-Pierre. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_H%C3%B6hlen_von_Saint-Pierre.pdf/39&oldid=- (Version vom 31.7.2018)