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nannten die Kameraden den langen, dünnen Postbeamten nur noch „Max“ und den fettgepolsterten, allzeit schwitzenden Eisenbahnschaffner „Moritz“, als ob die dergestalt Umgetauften niemals auf die ehrlichen Vornamen Siegfried und August gehört hätten.

Unglück bringt die Leute, wie man sagt, einander schnell näher. Aber auch Mißgeschick und … Ungeschicklichkeit. Max und Moritz wurden Freunde. Die Freundschaft begann damit, daß sie sich gegenseitig ihr Leid klagten, sich gegenseitig halfen, wo es nur ging, und abends nach dem Dienst Trost bei einem Glase Kriegsbier in der Kantine suchten, das gewöhnlich von dem begüterten Assistenten bezahlt wurde.

Endlich waren dann auch die zehn Wochen Ausbildungszeit überstanden, und schneller als sie es ahnten saßen Max und Moritz eines Morgens in einem Transportzuge und rollten als Ersatz für das aktive Regiment der französischen Grenze zu.

Und wie froh waren sie darüber …! Von dem Garnisonleben hatten sie ja ihrer seltenen Unbegabtheit für militärische Dinge wegen nur Ärger und Verdruß gehabt. Nun würde das anders werden! Da draußen an der Front kam’s auf stramme Wendungen, guten Anschlag und sonstige exerziermäßige Anforderungen nicht mehr an! Da konnte man zeigen, daß man trotz der ungeschickten Knochen und trotz der Taprigkeit das Herz auf dem rechten Fleck hatte …! Max sowohl wie Moritz waren unbeweibt, und da zieht es sich weit leichter hinaus in das mörderische Treiben des furchtbarsten Völkerringens, das die Erde je gesehen. Und die Freunde fangen denn auch mit echter Begeisterung während der Eisenbahnfahrt all die

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Die Höhlen von Saint-Pierre. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_H%C3%B6hlen_von_Saint-Pierre.pdf/4&oldid=- (Version vom 31.7.2018)