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verschiedenen alten und neuen Soldatenlieder, waren mit die fröhlichsten und sorgten aufs beste dafür, daß in ihrem mit Bänken ausgestatteten Güterwagen die Stimmung stets munter und zuversichtlich blieb.

Und jetzt stapften sie nebeneinander über den holprigen Boden, hörten vor sich hin und wieder den kurzen, harten Knall eines Gewehrschusses und in der Ferne das dumpfe Krachen eines schwachen Artilleriefeuers, sahen aber im übrigen noch nichts von den furchtbaren Bildern der Vernichtung, die sie sich in ihrer Phantasie vordem so lebhaft mit ganzen Haufen von Toten, mit Verwesungsgeruch, dem Röcheln Sterbender und den Angst- und Schmerzensschreien Verwundeter ausgemalt hatten. Die Nebelschleier der Sommernacht hüllten alles in ein eintöniges Grau ein – alles … Und wenn sie nicht gewußt hätten, daß da keine tausend Meter vor ihnen die vorderste deutsche Stellung und dieser gegenüber die französische in einem Abstand von angeblich nur zweihundert Schritt lag, dann wäre nicht der geringste Grund dazu vorhanden gewesen, daß ihre Herzen vor Erwartung und Spannung doch etwas lebhafter wie bisher klopften und ihre Hände das Gewehr als den jetzt vertrauenswürdigsten Freund fester umklammerten. –

Von vorne kam plötzlich leise der Befehl, nunmehr mit allergrößter Stille sich zu bewegen. Das bisherige Marschtempo wurde denn auch wirklich noch schneckenmäßiger. Sehr bald merkten die beiden äußerlich so ungleichen Freunde auch, weshalb dies geschah. Der Trupp mußte in eine tiefe Schlucht mit recht steilen Wänden hinabsteigen, was bei der unsicheren Beleuchtung nicht ganz einfach war. Nachher ging’s dann wieder noch mühsamer

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Die Höhlen von Saint-Pierre. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_H%C3%B6hlen_von_Saint-Pierre.pdf/5&oldid=- (Version vom 31.7.2018)