Seite:Die Herrin der Unterwelt.pdf/136

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Eindruck. Er hatte halb zugekniffene Augen, ein mehr finsteres als nur verschlossenes Gesicht, und war äußerst wortkarg, obwohl er das Englische ganz leidlich radebrechte. – Die meisten Abessinier wirken unsympathisch, doch trügt hier das Äußere. Mögen sie auch arbeitsscheu, zügellos und, soweit sie Christen sind, die Religion mehr als Spielerei betrachten, so sind sie anderseits in so streng patriarchalischen Anschauungen aufgewachsen, daß die Achtung vor den Frauen und Eltern, die Liebe zu den Kindern, die Gastfreiheit und Treue in diesem Punkte ihresgleichen suchen. Freilich: Eheliche Treue ist selten, die Reichen leisten sich den Luxus eines Harems, die Klassenunterschiede werden streng bewahrt, es herrscht jedoch keinerlei Haß oder Neid zwischen dem sogenannten „Adel“ und den „Gemeinen“. Das an Naturschätzen so reiche Land ernährt die neun Millionen Einwohner ohne große Anstrengung des einzelnen, Handel und Industrie sind in schnellem Aufschwung begriffen, in den Hauptstädten trifft man neben dem modernen Lastauto ebenso häufig noch die endlosen Kamel- oder Maultierkarawanen, die zum Beispiel von Addis Abeba bis zur Küste zwei Monate unterwegs sind. –

Unser Wollo-Galla hier war zweifellos ein reicher Mann. Er trug nicht nur die breite silberne Alkodama, die Stirnspange, sondern auch an beiden Armen Silberspangen, – der Schlangenhautgürtel war mit Münzen benäht, um den kaffeebraunen

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Die Herrin der Unterwelt. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 135. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Herrin_der_Unterwelt.pdf/136&oldid=- (Version vom 31.7.2018)