Seite:Die Herrin der Unterwelt.pdf/147

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Aber – wo anfangen?! Ich habe noch genau fünf Bogen Papier zur Verfügung. Ich muß also sparsam mit jeder Zeile sein. Anderseits, niemand kann sich so weit umkrempeln, daß er seine Schreibart mit vergewaltigt, und in dieser, sagt man, zeigt sich das eigentliche Bild des Schreibenden.

Persönliche Note, nennt man das ja wohl. – –

… Ich hatte mein Tagebuch weggepackt, nein, ich hatte es versteckt – für alle Fälle. Und dann ging ich zu Lylian hinüber …

„Darf ich eintreten?“

„Bitte, lieber Freund …“

Ich trat ein. – Sie saß vor ihrem Tisch in ihren losen leichten Gewändern, – durch die Löcher im Gestein fiel das klare Tageslicht auf einen Kreis winziger schwarzer Menschlein, die ich bisher nie gesehen hatte. Es waren dreißig Zwergneger, die hier nach Art der Orientalen auf den Sohlen hockten, die Körper dicht an die Oberschenkel gepreßt, das Gesäß an den Fersen. Ihre wolligen Köpfe zeigten bunten Federschmuck und glichen einem Staubwedel, der das Ausrangieren verdient. Unter dem weit in die Stirn reichenden Haaransatz sah ich Gesichtszüge, die, obwohl sie den reinen Negertyp verrieten, doch mehr angenehm und ausgeglichen waren und bei all der Unmenge von Runzeln und Falten durchaus eine lebhafte, frische Intelligenz verrieten. Die Augen waren übergroß wie bei Puppen, das Weiße hatte einen leuchtenden Schimmer, Nase und Lippen

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Die Herrin der Unterwelt. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 146. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Herrin_der_Unterwelt.pdf/147&oldid=3298747 (Version vom 31.7.2018)