Seite:Die Herrin der Unterwelt.pdf/41

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fernen endlosen Waldungen, die den größten Teil Innerborneos bedecken. Er war wie ein Greis, dem die Jahre nichts anhaben können, der über ein zuverlässiges Lebenselixier verfügt und dessen Gliedmaßen sich ständig ergänzen, während alles Hinfällige diesem Neuen neidlos und still Platz macht. Er war ein Bild ewigen, in sich geschlossenen Werdens und Vergehens. Vernichtende und schaffende Kräfte hielten einander im Gleichgewicht, und nichts gab es hier, das an der Krankheit derer litt, die mit künstlichen Mitteln das Altern hinwegtäuschen wollen – wie Frauen, die verzweifele mit Schminke, Puder, Massage, Pasten und Bädern und noch ärgeren Dingen Runzeln und Schlaffheit und matten Blick noch in weite Zukunft bannen möchten.

In dieser Umgebung, in diesem leichten Moderdunst, der doch die Kraft des Schöpferischen enthielt, huschten wir wie Schatten dahin, mieden die mondhellen Stellen und durchspähten die Finsternis mit den tastenden Spitzen geschärfter Blicke. So kamen wir, vielleicht die ersten Wanderer mit bestimmtem Ziel in diesem Teile des Urwaldes, ich vielleicht der erste Mensch seit Erschaffung der Welt in dieser bezaubernden Wildnis, an einen gänzlich kahlen, felsigen Streifen Landes, der sich wie ein Keil in das wehrhafte Grün der Baumriesen hineindrängte.

Es war wie eine breite, flache Rinne, in der leise fließendes, talabwärts rinnendes Wasser gurgelte

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Die Herrin der Unterwelt. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 40. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Herrin_der_Unterwelt.pdf/41&oldid=3298824 (Version vom 31.7.2018)