Seite:Die Herrin der Unterwelt.pdf/57

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Ich erholte mich überraschend schnell, aber ich blieb still und traurig, ich liebe Tiere, und der Verlust Fenneks ging mir sehr nahe.

Die Frage, wer mir meine Kleider, Waffen und Fennek-Freund gestohlen hatte, konnte auch Vincent zunächst nicht klären. In der vierten Nacht entfernte er sich aus seiner Laubhütte.

„Olaf,“ sagte er schlicht, „ich will versuchen, dir das deine zurückzubringen. Ich merke, du vermißt deinen Fennek. Lebt er noch, siehst du ihn wieder, so wahr ich Doktor mit Fett bin.“

Das war sein häufigster Kalauer.

„Mit Fett“ sollte heißen: med. vet., medizinae veterinäris.

Er ging, ich schlief, und ich erwachte, da mir jemand inbrünstig das Gesicht leckte: Fennek! – Ich fuhr empor, mein Staunen war zunächst größer als meine Freude. Ich hatte kaum zu hoffen gewagt, daß Vincent mit seinem Ausflug ins Ungewisse Erfolg haben würde. Dann aber war, veranlaßt durch Fenneks überströmende Zärtlichkeit, in mir nur noch ein einziges Empfinden rege: Das unendlicher Freude und Dankbarkeit! Beide Gefühle verschmolzen in eins, ich konnte mich Fenneks kaum erwehren, ich drückte aber auch Vincent immer wieder die Hand. Wir waren wie in einem Taumel befangen, Turst sagte nur wiederholt: „Aber … aber, – das war ja alles so einfach, so leicht!“ Er wollte sich nicht als Held feiern lassen, das

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Die Herrin der Unterwelt. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 56. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Herrin_der_Unterwelt.pdf/57&oldid=3298841 (Version vom 31.7.2018)